Es war im Dezember 2017. Das ganze Team war sich einig: Wenn es ein “Wegwerf”-Kleidungsstück gab, dessen Lebensdauer wir unbedingt verlängern wollten, dann Socken.
Not another alte Socke
Also haben wir dir damals einen kleinen Fragebogen geschickt, der uns helfen sollte, die Socken zu entwickeln, die du so schnell nicht wegwirfst, und mehr als 2000 Leute sind unserem Aufruf gefolgt.
Zuerst haben wir uns eure Lebensdauer angeschaut: Bei 40 % von euch hielten sie weniger als ein Jahr. Wir hatten mit Schlimmerem gerechnet. Aber wir dachten uns auch, dass wir es besser machen könnten.
Dann habt ihr uns unmissverständlich klargemacht, dass es vor allem zwei Probleme gibt: 1. die große Zehe, die sich freikämpft, 2. die Ferse, die sich abnutzt. Viele von euch haben uns außerdem vom Gummibund erzählt, der ausleiert, und von der Abnutzung an der Achillessehne, dort, wo der Schuhrand reibt.
Beim Stil: wenig überraschend habt ihr euch gewünscht klassische Socken, die bis zur Wadenmitte reichen, ohne Rillen, vor allem in Blau und Schwarz – auch wenn einige von euch durchaus von knalligen, ausgefallenen Farben geträumt haben (ein Wunsch, den wir angesichts unserer aktuellen Farbpalette ziemlich mutig finden).
Euer ganzes Feedback haben wir gelesen, sortiert, analysiert – und sind dann, mit alldem im Gepäck, auf die Suche nach einer Fabrik gegangen, mit der wir diese Socken entwickeln konnten, die wirklich halten.
Unsere Retterin kommt aus Frankreich
Normalerweise suchen wir unsere Fabriken eher in Portugal. Bisher haben wir dort die besten Partner gefunden. Aber bei den Socken fanden wir es schade, über die Grenze zu gehen.
Wenn es eine Sache gibt, die Französinnen und Franzosen wirklich können (neben Croissants und Streiks), dann Socken machen.
Du hast diesen Spruch vielleicht schon satt, aber selbst wenn man in Europa produziert, sogar in Frankreich, ist es nicht so einfach, Fabriken zu finden, die Qualität liefern und bereit sind, für eine kleine Marke ein neues Produkt zu entwickeln (ja, ein Mythos zerbricht gerade: Wir sind eine kleine Marke). Nachdem wir mehrere Fabriken kennengelernt hatten, haben wir eine gefunden, mit der es richtig gut passte: Atelier Joly.
Schön, oder? Na, das ist in Frankreich.
Zum einen, weil ihr Ruf ihr vorauseilte: Das Unternehmen wurde für die Exzellenz seines Know-hows als „Entreprise du Patrimoine Vivant“ (lebendiges Kulturerbe Frankreichs) zertifiziert. Zum anderen, weil die Leute in diesem Atelier richtig motiviert waren, mit uns R&D zu betreiben, und nicht nur unser Logo auf eine Socke zu kleben, die seit 10 Jahren für 1000 andere Marken produziert wird. Und schließlich, was die Werte angeht, sprachen wir wirklich dieselbe Sprache: Qualität, Ethik, Rückverfolgbarkeit der Lieferkette gehören bei ihnen zum Alltagsvokabular.
Und die Geschichte dieses kleinen Unternehmens ist wirklich großartig. Mit 26 Jahren bringt die Chefin 50 Ziegen aus Texas mit und startet die erste französische Mohair-Produktion. Die Firma wächst und übernimmt 2007 den Zulieferbetrieb, der ihre Socken herstellt, und 2013 den, der ihre Pullover fertigt – beide standen kurz vor dem Aus. Diese Fabrik rettet dabei nicht nur Arbeitsplätze und Know-how in der Region. Wenn die Bauern und Bäuerinnen der Gegend beschließen, die Wolle ihrer Schafe aufzuwerten, statt sie mit Verlust zu verkaufen (was in Frankreich in 99 % der Fälle passiert), reicht ihnen Atelier Joly die Hand.
Love you Atelier Joly
Eine robuste Socke bauen (ohne Kevlar)
Wir haben verschiedene Lösungen getestet, um das gute Dutzend Probleme zu lösen, die ihr uns gemeldet hattet (nebenbei bemerkt: Unser erster Prototyp bekam schon nach einem 25-km-Trailrun ein Loch).
Erster Prototyp, nach einem Trailrun.
Wir wollten eine feine, klassische Socke für den Alltag entwickeln, und hier sind die Lösungen, die wir gefunden haben.
Cordura für die Strapazierfähigkeit
Das größte Problem, mit dem wir zu kämpfen hatten, war die Abnutzung an Zehen und Ferse. Dafür haben wir uns für Cordura entschieden: eine Polyamidart, die viermal widerstandsfähiger ist als andere und normalerweise für Militärbekleidung verwendet wird. Wir haben in diesen stark beanspruchten Zonen – Hornhaut und schlecht geschnittene Zehennägel lassen grüßen – besonders dicht gestrickt.
Cordura, das Langlebigkeits-Geheimnis dieser Rucksackmarke.
Fil d’Ecosse für den Komfort
Wir wollten außerdem so viele Naturmaterialien wie möglich verwenden, also Baumwolle. Weil sie weicher ist, weil man darin weniger schwitzt. Das beste Verhältnis zwischen Strapazierfähigkeit und Weichheit bei Baumwollgarn bietet Fil d’Ecosse. Kurz gesagt: Das ist gekämmte, langstapelige Baumwolle (also von exzellenter Qualität), die merzerisiert wurde – also behandelt, um widerstandsfähiger zu sein und die Farbe besser zu halten. Adieu Knötchen, Verblassen und andere Zeichen frühzeitiger Alterung. Der andere Vorteil: Im Gegensatz zu synthetischen Materialien und minderwertiger Baumwolle bleibt dieses Material auch mit der Zeit und nach vielen Wäschen weich.
Verstärkungen an Sohle und Sehne
Als Nächstes stellte sich die Frage: Wie verhindert man Löcher an der Sohle und an der Achillessehne? Zuerst haben wir versucht, das Cordura außen in die Socke zu stricken, damit die Haut Kontakt mit der Baumwolle hat, während die Reibungszonen durch synthetisches Material verstärkt werden. Aber das Cordura-Garn war nicht fein genug. Also haben wir es durch ein feineres Polyamid von sehr guter Qualität ersetzt.
Ein hochwertiges Gummibündchen
Damit die Socke nicht auf die Knöchel rutscht oder die Wade abschnürt, haben wir zwei Dinge getan: einen starken Elasthanfaden in den Schaft der Socke eingearbeitet, damit sie überall gut sitzt, und beim Bündchen, das den oberen Rand hält, nicht gespart (Achtung trotzdem: nicht bei maximaler Temperatur in den Trockner geben – es besteht immer das Risiko, dass das Elasthan schmilzt und sich das Teil ausleiert. Wie bei jedem Kleidungsstück, das Elasthan enthält).
Nähte „Masche für Masche“
Einige von euch haben sich über die Nähte am Spann beschwert, die durch die Reibung irritieren. Deshalb haben wir uns für eine super feine Naht entschieden, die „Masche für Masche“ geschlossen wird. Traditionell wurde das von Hand gemacht (auch „Remaillage“ bzw. Handkettelung genannt). Aber unser Atelier hat in eine Maschine der neuesten Generation investiert, die das noch besser hinbekommt. Ergebnis? Perfekte Qualität und keine störende Verdickung, wenn du in deine Schuhe schlüpfst.
Schließlich haben wir nicht nur ausschließlich OEKO-TEX®-zertifizierte Garne ausgewählt (also ohne schädliche Stoffe für die Umwelt und deine Gesundheit), sondern auch eine zu 100 % rückverfolgbare, lokale Produktion aufgebaut: Cordura (Italien), Fil d’Ecosse (Italien), Polyamid (Spanien), Elasthan (Frankreich), Stricken (Frankreich), Konfektion (Frankreich), Kartonbanderole (Frankreich).
Sie bricht alle Rekorde
Sobald wir unseren letzten Prototyp hatten, haben wir ihn die ultimative Prüfung durchlaufen lassen: den Belastungstest im Labor. Bei einer Socke gibt es zwei Dinge zu testen: die Haltekraft des Gummibunds und die Reibfestigkeit. Um einen Vergleichspunkt zu haben, haben wir das Labor gebeten, auch eine Schweizer Socke zu testen, die als Nummer eins bei Haltbarkeitstests gilt. Was die Haltekraft des Gummibunds angeht (also die Gewissheit, dass er weder zu fest noch zu locker sitzt), ist unser Team entspannt: Unsere Socke erreicht einen Wert von 1,9 kPa, während die Komfortzone zwischen 1 und 2 liegt. Für die Reibfestigkeit kommt die sogenannte „Martindale“-Methode zum Einsatz. Man schneidet Stoff aus zwei Zonen (Sohle und Spitze) und legt ihn in eine Maschine, die ihn so lange reibt, bis erst eine dünne Stelle und dann ein Loch entsteht. Das Ergebnis wird als Anzahl der Zyklen angegeben: je höher die Zyklenzahl, desto strapazierfähiger die Socke.
Nach einem halben Tag Maschinenlaufzeit ruft uns das Labor an, um uns die Ergebnisse der Konkurrenzsocke mitzuteilen: etwa 10.000 Zyklen, was (laut ihnen) ein gutes Ergebnis ist. Unsere Socke hat sich in der gleichen Zeit nicht verändert.
Ergebnis des Martindale-Tests der Konkurrenzsocke?
Wir bitten sie, die Maschine weitere 10.000 Zyklen laufen zu lassen, um zu sehen, wie lange unsere Socke durchhält. Immer noch intakt. Wir gehen auf 50.000. Das Labor ruft uns zurück, um uns zu sagen, dass immer noch keine dünne Stelle zu sehen ist. Wir sagen ihnen daraufhin, sie sollen auf 150.000 Zyklen hochgehen. Und hier sind die Ergebnisse, die sie uns schicken:
Ergebnis des Martindale-Tests der Loom-Socke.
Sogar das Labor kann diese Ergebnisse kaum fassen. Als wir das alles googeln, merken wir, dass andere Marken vor uns schon super robuste Socken hergestellt haben und dabei den (bereits sehr respektablen) Wert von 49.000 Zyklen erreicht haben… also 3-mal weniger als wir.
Dieses Produkt wurde an echten Menschen getestet
Parallel dazu haben wir unsere Socken an Freundinnen und Freunde mit spitzen Füßen verteilt (also die, die dir sagen: „Ich hab die schon nach einmal Tragen durchgelöchert“) mit nur einer Vorgabe: zieht sie oft an, wascht sie oft. Das ganze Team hat mitgemacht, und weil manche unserer Prototypen weiß waren, sahen wir dabei nicht immer glanzvoll aus. Aber dieser Schritt ist super wichtig: Er stellt sicher, dass nichts schiefläuft. Fazit? Nichts läuft schief.
Wir, wenn wir unsere Prototypen unter Realbedingungen testen.
Wir bringen sie zum Preis von 12 Euro raus. Das ist der niedrigste Preis, den wir anbieten können, wenn wir unsere Marge maximal reduzieren.
Das ist der Preis für hochwertige Materialien und qualifizierte Arbeit. Das ist der Preis von Oeko-Tex, von Made in France. Das ist der Preis einer Socke, die du nicht alle naslang neu kaufen musst.
herausgebracht. Alle diese Modelle gibt es auch in der Damenkollektion
Wer sind wir, dass wir das behaupten?
Du bist hier auf La Mode à l’Envers, dem Blog der Kleidungsmarke Loom. Die Textilindustrie hat sich gründlich verstrickt – und die Rechnung zahlt der Planet. Deshalb erklären wir dir hier alles, was wir über die Branche herausfinden. Denn langlebige Kleidung herzustellen ist gut – aber aufdecken, teilen und inspirieren bewirkt noch viel mehr.
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Mode ist unberechenbar. Innerhalb weniger Jahre sind T-Shirts zu neuen Ausdrucksflächen geworden. Man kennt eher Sprüche wie "der Morgen ist zu früh" oder "Zicke" (sic). Aber kürzlich tauchte auf der Website einer bekannten Kleidungsmarke ein neues, etwas kämpferisches Exemplar auf:
Und das ist bei H&M kein Zufall. Das Unternehmen sieht sich selbst als Vorreiter der Nachhaltigkeit unter den sogenannten „Fast Fashion"-Marken (= jenen, die ein ultraschnelles System zur Erneuerung ihrer Kollektionen eingeführt haben). Es reiht eine Initiative an die nächste, die oft groß in den Medien gefeiert werden: H&M Conscious, Close The Loop oder Climate positive 2040, zum Beispiel. Und auf den ersten Blick scheint es dabei die Klassenbeste zu sein – mit seinen 220 Mitarbeitenden , die sich der Nachhaltigkeit widmen.
Wird Fast Fashion wirklich nachhaltiger, oder steckt sie einfach mitten im Greenwashing ? (Spoiler: Antwort 2)
Ein schönes Beispiel für Greenwashing: BP färbte sein Logo grün, einige Jahre bevor die Ölplattform Deepwater Horizon explodierte.
Chemische Verschmutzung: die medienwirksamste
In China gibt es einen Witz, wonach man die nächste angesagte Modefarbe einfach an der Farbe der Flüsse ablesen kann (wir haben es nicht nachgeprüft). Was die Anstrengungen in diesem Bereich angeht, muss sich H&M nicht schämen: Es ist die Marke, die Greenpeace in seinem Detox Catwalk am besten bewertet hat, zusammen mit Zara und Benetton. Im Wesentlichen verpflichten sie sich bis 2020:
toxische Abfälle, die ins Abwasser gelangen, zu beseitigen;
den Ausstoß von krebserregenden Stoffen oder hormonellen Schadstoffen zu begrenzen. Diese Stoffe werden unter anderem zur Herstellung wasserdichter Kleidung und von Drucken verwendet oder stecken in den Waschmitteln der Fabriken.
Und die Aufgabe ist riesig. Keine Fast-Fashion-Marke besitzt ihre eigenen Fabriken: Sie haben Zulieferer, die wiederum Zulieferer beauftragen, die wiederum Zulieferer beauftragen, und so weiter.
Aber diese chemische Verschmutzung ist, so dramatisch sie auch ist, nur die Spitze des Eisbergs1. Fast Fashion stellt noch ein weiteres2 gewaltiges Umweltproblem dar.
Fast Fashion verstärkt die Klimaerwärmung
Baumwollanbau, Herstellung synthetischer Fasern, Spinnen, Weben, Färben, Konfektionierung … Ein Kleidungsstück herzustellen verbraucht Energie und erzeugt folglich Treibhausgase3. Um dir eine Vorstellung zu geben: Zum Färben von Stoffen werden Autoklaven verwendet – riesige Druckmaschinen mit einem Färbebad von über 100 °C. Wahre Energiefresser. Und da die meisten Fabriken in Asien stehen, wird der Strom durch das Verbrennen von Kohle oder Erdgas erzeugt, was jede Menge CO2 freisetzt.
Ein prächtiges Beispiel für einen Autoklaven. Bewundere das Biest.
Fazit: Laut Berichten stößt die Modeindustrie zwischen 2 und 8 % der weltweiten Treibhausgase aus – fast so viel wie dergesamte Straßenverkehr der Welt4. Kurz gesagt: Du kannst noch so oft mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren – wenn du jeden Tag ein neues T-Shirt anziehst, lässt du trotzdem das Packeis schmelzen.
Was unternimmt Fast Fashion?
Auf den ersten Blick scheint H&M (wieder einmal) zu den Klassenbesten zu gehören. Mit seiner Initiative Climate Positive 2040 behauptet es, seine Treibhausgasemissionen nicht nur zu senken, sondern bis 2040 sogar einen positiven Beitrag zu leisten! Klingt toll. Aber wenn man sich genauer ansieht, wie es das erreichen will, gibt es da ein kleines Problem. Die meisten Treibhausgasemissionen hängen, wie wir gesehen haben, mit der Fertigung zusammen … ein Bereich, auf den es keinen Einfluss hat, da keine der Fabriken, die seine Kleidung herstellen, ihm gehört. Um sein Ziel zu erreichen, will es sich also auf sogenannte „Kohlenstoffsenken" stützen, insbesondere künstliche. Die Idee? Mit riesigen Maschinen CO2 aus der Atmosphäre saugen, um es tief unter der Erde zu verstecken.
Die magischen CO2-Staubsauger, um die es geht.
Kleines Problem: Es konnte nie bewiesen werden, dass das funktioniert … Übrigens wurden die meisten Projekte zum Aufbau von Kohlenstoffsenken schlichtweg wieder aufgegeben , wegen astronomischer Kosten oder technischer Probleme. Das ist wohl auch der Grund, warum H&M auf seiner Seite weltweit „fachkundige und innovative" Menschen um Hilfe bittet. Ist jemand verfügbar?
Ein weiterer Vorschlag: Kleidung aus recycelten Fasern herstellen. Wir mögen den Clip Close The Loop von H&M sehr (und auch diesen hier, mit M.I.A.), aber was den CO2-Fußabdruck angeht, ist das Recycling von Textilfasern nur eine sehr, sehr partielle Lösung5. Ein Kleidungsstück aus recycelten Fasern herzustellen setzt einen industriellen Prozess voraus, der ebenfalls viel CO2 erzeugt, allein schon um die Fasern zurückzugewinnen … Außerdem ist die Technologie in den allermeisten Fällen noch längst nicht ausgereift: Zum Beispiel lassen sich Baumwoll- und Polyesterfasern noch nicht zu vertretbaren Kosten trennen. Ergebnis: Selbst mit der ultra-optimistischen Annahme von 40 % recycelter Fasern würde man die CO2-Emissionen der Modeindustrie um weniger als 10 % senken. Das Recycling von Kleidung hilft zwar, den Einsatz von Rohstoffen zu minimieren (Wasser und Pestizide bei Baumwolle, Erdöl bei Polyester), aber beim CO2-Fußabdruck rettet das wirklich noch keine Eisbären.
"Man schlägt uns vor, das Gaspedal des Autos voll durchzudrücken, in der Hoffnung, dass wir die Flügel erfinden, bevor wir den Rand der Klippe erreichen."
Kurz gesagt: Ungefähr so sieht die Richtung aus, in die es geht.
Um das Umweltproblem von Fast Fashion zu lösen, macht man sich lieber etwas vor und setzt auf Technologien, die erst noch erfunden werden müssen, statt sich dem eigentlichen unbequemen Thema zu stellen:
Wegwerfmode
Jedes Jahr produziert die Bekleidungsindustrie 150 Milliarden Kleidungsstücke, von denen die meisten in Schränken verstauben oder nach ein paar Monaten weggeworfen werden. Und es wird immer mehr:
Anzahl der H&M-Filialen weltweit seit 1974 (Quelle: Jahresbericht).
Die weltweite Bekleidungsproduktion hat sich verdoppelt zwischen 2000 und 2014. Diese exponentielle Kurve ist nicht vereinbar mit einem Planeten, der per Definition endliche Ressourcen hat. Nein, es gibt keinen Planeten B.
Die negativen Umweltfolgen von Fast Fashion stecken im Kern ihres Geschäftsmodells. Jede „ökologische" Initiative in diesem Zusammenhang käme dem Versuch gleich, eine löchrige Badewanne zu füllen.
Greenwashing ist gefährlich, denn es hält uns davon ab, unser Konsumverhalten zu ändern, denn es lässt uns glauben, das Problem sei gelöst, denn es wiegt uns in Sicherheit, während das Haus brennt.
Natürlich werden wir vielleicht eines Tages geniale Technologien zur CO2-Absaugung oder zum Faserrecycling erfinden, um die Umweltprobleme zu lösen. Aber das ist eine riesige Wette. Und vor allem ein riesiges Risiko. Und bis dahin gibt es eine Gleichung, die sich nicht ändern wird:
Produzieren heißt verschmutzen
Was tun wir also?
Man kann sich seine Kleidung selbst nähen. Oder Secondhand kaufen. Das ist cool. Aber man sollte sich keine Illusionen machen: Damit wird man niemals alle einkleiden können. Viel Glück beim Finden eines weißen T-Shirts in Größe M bei den französischen Secondhandketten Ding Fring oder Guerrisol …
Es gibt nur eine einzige Lösung, einfach und naheliegend. Gesunder Menschenverstand:
Weniger kaufen.
Indem du gut verarbeitete, hochwertige Kleidung wählst, die möglichst lange hält.
Natürlich ist Baumwolle kein Kevlar: Ein T-Shirt wirst du nie dein ganzes Leben lang behalten können. Aber wenn du ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit zeigst, trägst du es mehrere Jahre. Und das ist einfacher, als du denkst:
Lass dir Zeit : Wenn das Kleidungsstück einen Hauch zu klein ist, du es aber in der Hoffnung kaufst, abzunehmen, wenn dir die Farbe nicht so gut gefällt, du es aber kaufst, weil es im Sale ist … lass es lieber sein. Und lass dich generell nicht von Rabattaktionen blenden: Das ist sehr oft eine künstliche Methode , dich dazu zu bringen, etwas zu kaufen, das du nicht brauchst.
Schau dir das Etikett an. Wenn der Stoff OEKO-TEX-zertifiziert ist, bedeutet das, dass keine giftigen Stoffe enthalten sind. Wenn das Kleidungsstück in Europa hergestellt wurde, stellt das sicher, dass die Arbeiterinnen unter einem schützenden Rechtsrahmen arbeiten (im Gegensatz zu Bangladesch) und dass der CO2-Fußabdruck geringer ist.
Pflege es gut. Die Lebensdauer eines Kleidungsstücks hängt davon ab, wie du es pflegst. Folge also unseren Pflegetipps (ja, du solltest aufhören, deine Wollpullover zu waschen).
Die Änderungsschneiderei ist dein Freund: eine kleine Reparatur kostet selten mehr als 10 Euro. Lass jemanden in deiner Nähe daran arbeiten, und du sparst dir den Neukauf eines Kleidungsstücks, das 5-mal so viel kostet.
Die Modeindustrie ist nicht wirklich in die richtige Richtung gestartet. Und es liegt an jeder und jedem von uns, zu entscheiden, wohin sie jetzt gehen soll.
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Anmerkungen
1 Nein, die Textilindustrie steht nicht auf Platz 2 der schmutzigsten Branchen der Welt, hinter der Erdölindustrie. Diese Statistik, die von fast allen Medien und Akteuren der Branche massenhaft übernommen wurde — sogar im Rahmen der Unterzeichnung der Charta für Mode und Klimaschutz für die COP 21 — gibt weder an, welche Art von Verschmutzung sie umfasst, noch stützt sie sich auf irgendeine Quelle.
2 Ganz zu schweigen von den Arbeitsbedingungen der Textilarbeiterinnen, die oft erbärmlich sind, noch von den Folgen für die Seele unserer Innenstädte.
3 Entgegen der landläufigen Meinung ist es im Lebenszyklus eines Kleidungsstücks nicht der Transport, der viele Treibhausgase erzeugt (nur etwas mehr als1 % der Emissionen). Auch wenn der Großteil unserer Kleidung am anderen Ende der Welt hergestellt wird. Klar, ein Kleidungsstück ist weder besonders groß noch besonders schwer, es nimmt also nicht viel Platz in einem Container ein. Und da 90 % der Kleidung per Frachtschiff transportiert werden – einem Transportmittel, das relativ wenig CO2 pro gefahrenem kg/km ausstößt –, entsteht dabei relativ wenig CO2. Dafür aber jede Menge Feinstaub, doch das ist eine andere Geschichte.
4 Laut dem IPCC (Weltklimarat) macht der Straßenverkehr 10 % der weltweiten Treibhausgasemissionen aus: 2010 machte der Verkehr 14 % der Treibhausgasemissionen aus, und der Straßenverkehr macht 72 % der Treibhausgasemissionen des Verkehrs aus. Damit läge Mode nach diesem Kriterium auf Platz 4 der schmutzigsten Branchen der Welt, hinter der Landwirtschaft, der Stromerzeugung und der Gebäudeheizung und damit dem Verkehr (Aufteilung der Branchen hier).
5 Dieses „Close Loop Recycling" ist vom „Open Loop Recycling" zu unterscheiden. Bei Letzterem wird Kunststoff aus anderen Produkten wie Flaschen recycelt.
Wer sind wir, dass wir das behaupten?
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Wer sind wir, dass wir das behaupten? Du bist hier auf La Mode à l’Envers, dem Blog der Kleidungsmarke Loom. Die Textilindustrie hat sich gründlich verstrickt – und die Rechnung zahlt der Planet. Deshalb erklären wir dir hier alles, was wir über die Branche herausfinden. Denn langlebige Kleidung herzustellen ist gut – aber aufdecken, teilen und inspirieren bewirkt noch viel mehr.
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Wir stecken mitten in der Modeindustrie : Zu unserem Alltag gehört es, Fabrik- und Produktionsverantwortlichen Fragen zu stellen, Textilexpertinnen und Näherinnen zu treffen, wissenschaftliche Studien zur Haltbarkeit von Kleidung zu lesen und uns auszutauschen mit anderen Akteuren der Slow Fashion, Kleidung herzustellen, sie zu testen und so weiter. Dadurch haben wir das technische Know-how und die richtigen Netzwerke, um Dinge zu erkennen, die für Menschen außerhalb der Branche schwer zu durchschauen sind.
Wir lassen uns Zeit : Wir haben es nicht eilig, ein Thema rauszubringen – wir veröffentlichen es, wenn wir es für ausgereift halten. Und ehrlich gesagt ist es auch gut, dass wir uns diese Zeit nehmen, denn schnell sind wir nicht gerade. Etwas entdecken, das uns stutzig macht, ein bisschen kratzen, merken, dass da ein Thema steckt, tiefer graben, darüber reden, Artikel lesen, wissenschaftliche Studien suchen, Bücher lesen, Expertinnen und Experten interviewen, 15 Seiten schreiben, alle Quellen checken, die Hälfte streichen, von 1, 2, 10 Leuten gegenlesen lassen, an den Worten feilen… All das braucht Zeit.
Wir bewahren unsere Unabhängigkeit : Auf diesem Blog gibt es keine Werbung. Wir können sagen, was wir wollen, Marken können uns nicht beeinflussen. Unser Unternehmen gehört auch keinen Industrie- oder Finanzkonzernen, die uns eine redaktionelle Linie vorschreiben könnten (was in Frankreich leider der Fall ist).
Und wovon handelt dieser Blog?
Wir möchten mit möglichst vielen Menschen Informationen teilen, die es verdienen, verbreitet zu werden, die man aber sonst nirgendwo findet: nicht in einer Suchmaschine, nicht in der Zeitung. Informationen, zu denen wir durch unseren Beruf Zugang haben. Und zwar interessante Informationen, denn wenn es nur darum ginge, dir zu erklären, woher die Caprihose… Auf diesem Blog erzählen wir dir genauso von wie unsere Socken hergestellt werden wie von was bei Start-ups schiefläuft. Manchmal schreiben wir Artikel, manchmal machen wir Videos und manchmal auch Comics. Es kann sein, dass wir mehrmals in einer Woche veröffentlichen und dann 6 Monate lang gar nichts. Kurz gesagt: Wir können nichts versprechen. Die einzigen Dinge, auf die wir uns festlegen können, sind diese:
Wir lügen nie : Wir überprüfen alles, was wir behaupten, und nennen unsere Quellen. Wenn möglich, gehen wir zur ursprünglichen Studie der Forscherinnen und Forscher zurück und versuchen zu verstehen, ob sie nicht verzerrt ist (ja, Google Scholar ist nicht nur zum Schreiben der Abschlussarbeit gut). Trotzdem können wir uns irren. Und wenn wir Vermutungen oder Meinungen äußern müssen, machen wir klar, dass das nur unsere eigenen sind.
Wir verlassen unsere Blase : Jedes Mal, wenn wir einen Artikel schreiben, bemühen wir uns, die Sichtweisen und Argumente von Menschen zu lesen und zu verstehen, die anders denken als wir. Um sicherzugehen, dass wir nicht danebenliegen, und um Aspekte des Themas einzubeziehen, die unserer eigenen Argumentation widersprechen.
Wir erklären verständlich : Unser Ziel ist es nicht, die Referenzseite für Leute zu werden, die bei der Fédération de la Maille et de la Lingeriearbeiten, sondern denen zu helfen, die keine Expertinnen oder Experten sind und trotzdem das Recht haben, sich eine eigene Meinung zum Thema zu bilden.
Was haben wir eigentlich davon?
Die Wahrheitssuche ist ja schön und gut, aber am Ende sind wir trotzdem eine Kleidungsmarke. Um ein Unternehmen bekannt zu machen, ist unserer Meinung nach der beste Weg, interessante Dinge zu sagen, statt Werbung zu machen (im Fernsehen, im Internet, bei Influencerinnen und Influencern, mit Affiliate-Marketing, in der U-Bahn und so weiter). Und um ehrlich zu sein, täten wir uns auch schwer, es anders zu machen. Denn es ist viel spannender, über ein Thema nachzudenken, als die Zielgruppe für eine Facebook-Anzeige einzustellen. Weil es viel nachhaltiger ist, einen Artikel zu schreiben, der dauerhaft auf unserem Blog bleibt, als ein Plakat zu machen, das nach 10 Tagen wieder aus der U-Bahn verschwindet. Weil es viel gerechter ist, unser Geld in die Gehälter der Menschen zu stecken, die diese Inhalte produzieren, statt alles an Google, Facebook oder JCDecaux zu geben. Also ja, wir haben ein wirtschaftliches Interesse an diesem Blog. Aber wir glauben auch: Kleidung herzustellen reicht nicht aus, um die Textilindustrie zu verändern – aufdecken, teilen, inspirieren bewirkt noch viel mehr. So, jetzt weißt du alles, zumindest über unsere Absichten. Viel Spaß beim Lesen!
Die Innovation, für die wir am meisten ausgelacht werden
veröffentlicht am
October 17, 2025
Aktualisiert am
September 14, 2026
Lesezeit
7
Minuten
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Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Französisch geschrieben, unserer Muttersprache. Falls dir eine Formulierung holprig vorkommt, entschuldige bitte – und schreib uns gern an hello@loom.fr, damit wir die Übersetzung verbessern können.
In diesem Artikel erzählen wir dir die unglaubliche Geschichte des Feinstrickpullovers der 3. Generation.
Hier sind Julia und Guillaume, die Gründer von Loom. Wir greifen heute selbst zur Feder, um dir von einer Ungerechtigkeit zu erzählen, die uns schwer auf dem Herzen liegt. Es geht um den Feinstrickpullover, dessen 3. Generation gerade erschienen ist. Dieses Teil haben wir zum ersten Mal 2019 herausgebracht, aus 100 % Merinowolle. Wie jeder Wollpullover ist er schön und warm, er bleicht nicht aus und leiert nicht aus. Aber er hat einen großen Haken.
Die Art von Fotos, die wir beim Kundenservice bekamen.
Mehrere Kunden melden uns, dass der Pullover wegen seiner Feinheit schnell an den Ellbogen durchscheuert. Also nehmen wir ihn aus dem Verkauf. Und suchen nach einer Lösung. Wir stürzen uns in einen Wirbel aus Labortests und Prototypen, um all unsere Hypothesen zu bestätigen oder zu widerlegen.
Hypothese 1: Scheuern die feinen Wollpullover anderer Marken genauso schnell durch wie unserer? Ja, sogar der von Uniqlo für 39,90 €.
Roger stützt seine Ellbogen wohl nicht oft auf einen Schreibtisch.
Hypothese 2 : Hilft es, ein bisschen Synthetik beizumischen? Nein.
E-Mail an die Fabrik, die unsere Pullover strickt, mit der Bitte, dem Pullover Polyamid beizumischen. Spoiler: Er hat sich total verzogen.
Hypothese 3 : Können wir so stricken, dass nur an den Ellbogen Synthetik dazukommt? Ja, aber dann wird der Pullover unbezahlbar …
Nach ein paar Monaten müssen wir uns eingestehen: Wir müssen diesen Feinstrickpullover … aus 100 % Baumwolle herausbringen. Denn beim Abrieb ist die Sache klar: Baumwolle ist viel widerstandsfähiger als Wolle.
Im Labortest hält unser Prototyp des Feinstrickpullovers aus Baumwolle 80.000 Zyklen durch – sein Pendant aus Wolle nur 14.000.
2020 bringen wir also die 2. Generation unseres Feinstrickpullovers heraus, aus ägyptischer Bio-Baumwolle in satten Farben. Diesmal gibt es keine Löcher an den Ellbogen mehr … dafür haben wir die Vorteile der Wolle verloren: geruchshemmend, warm und formstabil. Versteh uns nicht falsch: Der Pullover ist echt nicht schlecht (unsere Kunden geben ihm im Schnitt 4,8/5), aber wir selbst werden damit einfach nicht richtig glücklich. Also beschließen wir auch hier, ihn nicht mehr zu verkaufen. Wir sagen uns, dass wir es nie schaffen werden, einen warmen und robusten Feinstrickpullover zu machen, und begraben das Projekt. Bis zu einem Tag im Februar 2024, an dem uns eine Fabrik von einem Mischgarn aus 53 % Wolle und 47 % Baumwolle erzählt. Und dann, GEISTESBLITZ: Könnte das die Lösung für einen Feinstrickpullover sein, der warm, schön, formstabil UND abriebfest ist? Kurzerhand entwickeln wir einen Prototyp und testen ihn im Labor. Die Ergebnisse:
Dieser Feinstrickpullover ist an den Ellbogen 3-mal widerstandsfähiger als einer aus 100 % Wolle (der, zur Erinnerung, nur 14.000 Zyklen durchhielt).
Dieser Feinstrickpullover ist 2-mal formstabiler als einer aus 100 % Baumwolle.
Champagner! Wir fallen uns in die Arme, wir weinen, wir starten eine Polonaise: Endlich haben wir das revolutionäre Verfahren für einen Feinstrickpullover gefunden, der hält. Endlich können wir unseren Feinstrickpullover der 3. Generation herausbringen. Nur: Als wir dem Rest des Teams von dieser UNGLAUBLICHEN Innovation erzählen, ernten wir bestenfalls betretenes Schweigen, meistens aber kaum verhohlenen Spott: “wow, ihr habt einen Pullover aus einer Woll-Baumwoll-Mischung gemacht …”
Zum Glück gilt: Was kümmert es die Eiche, wenn sich die Wildsau an ihr reibt. Zur Preisverleihung laden wir sie jedenfalls nicht ein, wenn wir den ersten Preis beim Concours Lépine gewinnen, dem berühmten französischen Erfinderwettbewerb.
Julia & Guillaume
Der Feinstrickpullover der 3. Generation – schön ist er obendrein, oder?
Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit, sed do eiusmod tempor incididunt ut labore et dolore magna aliqua. Ut enim ad minim veniam, quis nostrud exercitation ullamco laboris nisi ut aliquip ex ea commodo consequat. Duis aute irure dolor in reprehenderit in voluptate velit esse cillum dolore eu fugiat nulla pariatur.