Das Golfer-Syndrom: Wie du das Problem mit verblassenden Shorts löst

Das Golfer-Syndrom: Wie du das Problem mit verblassenden Shorts löst

Das Golfer-Syndrom: Wie du das Problem mit verblassenden Shorts löst
Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Französisch geschrieben, unserer Muttersprache. Falls dir eine Formulierung holprig vorkommt, entschuldige bitte – und schreib uns gern an hello@loom.fr, damit wir die Übersetzung verbessern können.

In diesem Artikel verraten wir dir die Geheimnisse robuster Shorts. Wenn du dir denkst: "Na ja, das ist doch wie bei einer robusten Hose, nur mit abgeschnittenen Beinen”, dann solltest du wissen: Genau so haben wir es anfangs gemacht … und standen wegen dieses verflixten "Golfer-Syndroms” nach dem ersten Sommer mit Dutzenden komplett verblassten Shorts da.

Der Reinfall mit unseren ersten Bermudashorts

Im Juni 2021 haben wir unsere ersten Shorts auf den Markt gebracht (oder Bermudashorts, das ist ziemlich dasselbe). Robuster Stoff, Made in France, doppelte Naht im Schritt, verstärkter Bund, "Jeans”-Knopf, der sich nicht löst, Vorwäsche gegen Einlaufen, Färbung im Walzverfahren für bessere Farbechtheit, Tests der Farbechtheit beim Waschen … Kurz gesagt, wir haben ziemlich das gleiche Rezept wie bei unseren Hosen angewendet und dachten, wir hätten alle Zutaten beisammen, um Shorts zu machen, die jahrelang halten.

Aber kaum einen Monat nach dem Launch bekommen wir die erste Beschwerde:

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Eine einzige Beschwerde ist nicht so schlimm: Das könnte ja ein Einzelfall sein. Außer, dass …

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Die Art von Foto, bei dem jeder Qualitätsverantwortliche Albträume bekommt.

Die Shorts verblassen nicht nur stark, sie verfärben sich sogar! Anthrazitgrau zum Beispiel schlägt ins Rötliche um … Beim 6. Fall geraten wir langsam in Panik und leiten das Notfallverfahren ein: Wir nehmen die Shorts aus dem Verkauf und lassen Labortests durchführen, um die Ursache des Problems zu finden.

Unsere Vermutung: Diese Verfärbung ist das Ergebnis der kombinierten Wirkung von UV-Strahlen und Schweiß – so, als würden unsere Shorts einen fetten Sonnenbrand bekommen. Wir lassen also einen Test durchführen, bei dem unsere Stoffe 32 Stunden lang UV-Strahlen in Schweißbädern ausgesetzt werden (kein echter Schweiß, keine Sorge). Und die Ergebnisse tun weh:

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Autsch. Aua. Ouch.

Übersetzt heißt das: Unsere Shorts haben tatsächlich ein großes Problem mit Verfärbung durch die Kombination aus UV und Schweiß, vor allem bei sogenanntem "alkalischem” Schweiß (also mit basischem pH-Wert).

Tatsächlich sind unsere Shorts Opfer dessen, was Färber das "Golfer-Syndrom” nennen: Der Polokragen von Golfern (die stundenlang in der Sonne verbringen, mit Schweiß am Hals) neigt dazu, sich unter der kombinierten Wirkung von UV-Strahlen und Schweiß zu verfärben.

Für uns ist das ein Desaster: Wir haben Hunderte Shorts verkauft, die Gefahr laufen, heftig zu verblassen.

Also entscheiden wir uns für einen großen Produktrückruf, ähnlich wie Autohersteller, die merken, dass es ein Problem mit Bremsen oder Airbags gibt.

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Wenn auch du Shorts oder etwas anderes färben möchtest, hier ist der Artikel dazu.

Und die Antworten lassen nicht lange auf sich warten:

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Uns wird das ganze Ausmaß der Katastrophe klar … und auch, wie nachsichtig unsere Kundschaft ist.

In den folgenden Monaten arbeiten wir mit unserer Fabrik an einem Färberezept für Shorts, das besser hält. Sie verbessern es etwas, aber nicht genug. Wir stoßen an eine Wand: Selbst nach zahlreichen Versuchen schaffen wir es nicht, eine Farbe zu finden, die der UV-Verfärbung völlig entgeht. Wir müssen unsere Software überarbeiten.

Nicht die Farbe muss sich ändern, sondern die Färbemaschine

An diesem Punkt gibt es etwas, das wir kaum verstehen: Kleidung, die Sonne und Schweiß ausgesetzt ist, haben wir schon einige hergestellt … aber nie mit solchen Verfärbungsproblemen. Angefangen bei unseren T-Shirts. Warum also?

Unsere Vermutung: Die Verfärbung kommt eigentlich von den Maschinen, mit denen die Shorts gefärbt werden – das sind andere als die für die T-Shirts.

Und tatsächlich: Unser T-Shirt wird gestrickt , damit es elastisch ist – unsere Shorts dagegen werden aus einem gewebten Material hergestellt, damit es im Gegenteil formstabil ist.

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Bildquelle: threadden.com

Da gewebte Materialien recht formstabil sind, können sie mit sogenannten "kontinuierlichen” Maschinen gefärbt werden: Sie werden über ein Walzensystem durch ein Färbebad geführt, bevor sie geschleudert und anschließend getrocknet werden. Das ist ein recht schneller und wirtschaftlicher Prozess, der den Vorteil hat, relativ wenig Wasser und Energie zu verbrauchen.

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Eine Färbemaschine mit kontinuierlichem Prozess, wie sie zum Färben des Stoffs unserer Shorts verwendet wird (Video hier).

Diese Maschinen können wir allerdings nicht für gestrickteMaterialien verwenden, die dehnbarer sind und sich durch die Spannung zwischen den Walzen verformen könnten. Stattdessen lassen wir sie mehrere Stunden lang in einem Autoklaven laufen: eine Art große Waschmaschine, unter Druck, bei einer Temperatur über 100 °C.

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Beispiel für einen Autoklaven – nicht zu verwechseln mit dem kleinen U-Boot von Kapitän Nemo.

Da die Farben unserer T-Shirts UV-Strahlen und Schweiß sehr gut standhalten, fragen wir uns, ob das Geheimnis ihrer Haltbarkeit nicht genau in diesem mehrstündigen heißen Bad bei hoher Temperatur und hohem Druck liegt. Fixiert das die Farben vielleicht besser als ein kurzer Durchlauf durch ein Färbebad zwischen zwei Walzen?

Tatsächlich gibt es ein Verfahren, um auch Kleidung aus gewebten Materialien in Bädern zu färben.

In den Fabriken nennt man das “garment dyed” (auf gut Deutsch: “stückgefärbt” oder “im fertigen Kleidungsstück gefärbt”). Statt zuerst die Stoffrollen zu färben und danach das Kleidungsstück zu nähen, macht man es genau umgekehrt: Man näht zuerst das Kleidungsstück und dann taucht man es in ein Färbebad. Mit fast denselben Maschinen wie beim Färben der gestrickten Materialien unserer T-Shirts.

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Kurz gesagt: Beim "garment dyed” werden bereits fertig genähte Kleidungsstücke zusammen mit Farbe in eine Waschmaschine gegeben (wie diese hier) (Link Video).

Und das interessiert uns sehr. Wir beschließen deshalb, einen Prototyp für Shorts im "garment dyed”-Verfahren zu entwickeln.

Als wir ihn bekommen, stellen wir fest, dass er unregelmäßiger, patinierter wirkt als unsere vorherigen Shorts. Logisch: Da diese neuen Shorts erst nach der Konfektion gefärbt werden, folgt die Farbe den Unregelmäßigkeiten der Nähte, den Erhebungen der Knöpfe, den Falten des Stoffs.

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Schaut man genau hin, erkennt man Farbunterschiede an den "harten Punkten” (Gürtelschlaufen, Taschenränder …)

Und das ist eigentlich eine gute Nachricht fürs Altern: Da der Stoff nicht perfekt gleichmäßig aussieht, fällt die Abnutzung durch Maschinenwäsche oder UV-Strahlen viel weniger auf. 

Gut, das klingt alles schön und gut, aber halten die Farben der "garment dyed”-Shorts UV-Strahlen und Schweiß denn auch wirklich besser stand?

So sieht es unter realen Bedingungen aus

Bevor wir unsere neuen Shorts für die breite Öffentlichkeit auf den Markt bringen, und nachdem wir mehrere verschiedene Färberezepte ausprobiert haben, lassen wir einen Labortest zur Farbechtheit durchführen, der – zum Glück – sehr überzeugend ausfällt.

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Du verstehst davon vielleicht kein Wort, aber das sind wirklich sehr gute Ergebnisse bei der UV- und Schweißbeständigkeit – wir haben so lange gebraucht, um Farben hinzukriegen, die halten, dass wir die Farben unserer Shorts so schnell nicht ändern werden.

Wir starten also die Produktion unserer "garment dyed”-Shorts, und 6 Monate später beginnen wir, sie zu verkaufen … mit etwas Bammel: Werden diese Shorts am Ende nicht auch verblassen?

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Und da ist es, das gute Stück!

Um das herauszufinden, müssen wir mindestens einen Monat warten, bis unsere Kundschaft eine E-Mail bekommt, in der wir nach ihrer Meinung zu unseren Produkten fragen (so lange, bis sie die Teile schon ein bisschen getragen und ein paar Mal gewaschen haben). Und dann die erste Erleichterung: nichts zu melden! Unsere Kundschaft liebt unsere Shorts.

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Kundenbewertungen zu den Shorts, einen Monat nach dem Kauf.

Das eigentliche Urteil kam aber im Mai 2025, als wir das erste Feedback unserer Kundschaft bekamen – ein Jahr nach ihrem Kauf (zu diesem Zeitpunkt schicken wir eine E-Mail, um zu erfahren, wie ihre Kleidungsstücke altern). Und siehe da, halleluja: Unsere Kundschaft ist immer noch super zufrieden mit den Shorts. Bei 65 Bewertungen liegt die Durchschnittsnote bei 4,7/5!

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Stéphane jedenfalls versteht sich aufs Komplimente machen

Klar, die Farbe der Shorts verändert sich ein bisschen …

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Fotos, die uns unsere Kundschaft ein Jahr nach ihrem Kauf schickt.

… aber diesmal patiniert sie schön, nicht zu stark und ohne die Farbe zu wechseln.

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Auswahl an Kundenzitaten zur Veranschaulichung des vorherigen Punkts. Mit freundlichen Grüßen.

Praktisch, aber kein Zaubertrick

An diesem Punkt fragst du dich vielleicht: Warum machen wir nicht garment dyed für alle unsere Loom-Kleidungsstücke?

Weil diese Färbemethode auch ihre Nachteile hat. Erstens kann sie, wie oben gesehen, einen leicht unregelmäßigen Look ergeben: Das stört bei Shorts überhaupt nicht – im Gegenteil –, aber bei einem eleganteren Kleidungsstück wie einer Chino oder einem formellen Hemd kann es ein Problem sein. Zweitens ist es auf Seiten der Fabrik schwieriger zu handhaben: Es kostet etwas mehr (es verbraucht mehr Wasser und Energie), es gibt mehr Ausschuss, es ist schwierig, genau den richtigen Farbton zu treffen, und schließlich kann die längere Hitzeeinwirkung die Kleidungsstücke manchmal schwächen.

Kurz gesagt, das garment dyed ist keine Wunderlösung. Je mehr wir über Textilien verstehen, desto mehr erkennen wir, wie komplex das Thema ist: Um langlebige Kleidung herzustellen, muss man für jedes Teil den richtigen Fertigungsprozess finden. 

Und Kleidungsstück für Kleidungsstück begreifen wir auch, dass man nicht alles haben kann. Um Shorts herzustellen, die überhaupt nicht verblassen, könnten wir auf einen Stoff mit Polyester setzen (Farbe lässt sich auf Synthetik leichter fixieren), so wie es immer mehr Marken tun – aber sie wären weniger bequem und weniger schön. Oder wir könnten sie in Asien fertigen lassen: Dort werden bestimmte, besonders aggressive (und gefährliche) Färbemittel verwendet, die bei uns verboten sind. Am Ende ist jedes Kleidungsstück, das wir entwickeln, das Ergebnis eines Kompromisses zwischen vielen Dimensionen: Preis, Umweltbelastung, Ästhetik, Ethik, Komfort und so weiter. Für unsere Shorts haben wir uns für den Kompromiss entschieden, sie aus Bio-Baumwolle (einem Naturmaterial) in unserer Nähe (in Portugal) herzustellen – ein Material, das mit der Zeit schön patiniert.

Kurz gesagt: Wir hoffen, dass dir diese Shorts gefallen, dass sie dich durch viele Sommer begleiten … und genauso gut altern wie du.

Warum? Das liegt vor allem an der "Nassabrieb”-Wirkung: Textilien färben immer ein bisschen ab, wenn es in feuchter Umgebung zu Reibung kommt, vor allem an harten Punkten wie Nähten – bei einem Färbebad bleibt das nicht aus.

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