Kohle in der Baumwolle. Warum die Mode ihre Produktion reduzieren muss

Kohle in der Baumwolle. Warum die Mode ihre Produktion reduzieren muss

Kohle in der Baumwolle. Warum die Mode ihre Produktion reduzieren muss
Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Französisch geschrieben, unserer Muttersprache. Falls dir eine Formulierung holprig vorkommt, entschuldige bitte – und schreib uns gern an hello@loom.fr, damit wir die Übersetzung verbessern können.

Dein T-Shirt aus 100 % Baumwolle? Es besteht vermutlich auch zu 100 % aus Kohle. In diesem Artikel zeigen wir, warum die Energiefrage entscheidend ist, um die Umweltauswirkungen der Textilbranche zu senken, und warum die aktuellen Strategien der Modemarken dafür völlig unzureichend sind. Dieser Artikel wurde von mehreren Klimaexpertinnen und -experten gegengelesen, aber falls dir ein Fehler auffällt, sag uns Bescheid!

Rätsel: Was zeigt die Grafik unten?

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Der Besucherandrang in Nachtclubs der letzten 24 Monate? Die Verkaufszahlen von Caprihosen seit 1990? Die Beliebtheit des früheren französischen Premierministers François Fillon im selben Zeitraum?

Es ist die Kurve der Treibhausgasemissionen, der wir folgen müssen, wenn wir unter zwei Grad Erderwärmung bleiben und bis zum Ende des Jahrhunderts einen einigermaßen bewohnbaren Planeten behalten wollen (und nebenbei das Pariser Abkommen von 2015 zum Klima einhalten möchten).

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Genauer gesagt, es ist die Emissionstrajektorie für Treibhausgase , um mit 66 % Wahrscheinlichkeit unter der 2-Grad-Grenze zu bleiben, ohne auf CO2-Abscheidungstechnologien zu setzen (eine ziemlich gewagte Wette).

Anders gesagt: Wir müssen unsere Emissionen in 30 Jahren durch 3 teilen. Das ist viel. Und vor allem: Wenn wir das nicht schaffen, könnte es richtig, richtig wehtun:

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Beispiel dafür, was passiert, wenn wir einfach so weitermachen: In den roten Zonen auf der Karte wird kaum noch jemand leben wollen (und ja, das sind auch die am dichtesten besiedelten Gebiete des Planeten).

Die Textilindustrie ist für zwischen 4 und 8% der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich: Wenn sie ihren Teil beitragen will, muss sie ihre Emissionen innerhalb einer Generation mindestens durch drei teilen (das ist eine etwas vereinfachte Sichtweise, aber sie wird unsere Arbeitshypothese für diesen Artikel sein).

Und auf den ersten Blick scheinen die Modemarken voll mobilisiert, um diese Herausforderung anzugehen.

Die Strategie der Marken, um den Planeten zu retten

Beim letzten G7-Gipfel hat sich eine weltweite Koalition von Textilunternehmen unter dem Namen Fashion Pactzusammengetan. Sie haben unter anderem eine Reihe von Verpflichtungen unterzeichnet, um ihre CO2-Emissionen zu senken. Gute Nachricht? Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass diese Verpflichtungen im Wesentlichen auf zwei Arten von Maßnahmen beruhen:

1/ Sie setzen auf sogenannte nachhaltige Materialien : Lyocell, recycelte Baumwolle, Leinen, recyceltes Polyester … in der Annahme, dass diese weniger CO2 ausstoßen.

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Strategie Nr. 1, um die Erderwärmung zu begrenzen.

2/ Sie senken die Emissionen aus dem eigenen Betrieb, zum Beispiel indem sie auf erneuerbare Energien umsteigen oder auf LED-Lampen umsteigen in ihren Büros oder Geschäften.

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Strategie Nr. 2, um die Erderwärmung zu begrenzen.

Was denkst du: Werden diese beiden Maßnahmen ausreichen, um die Emissionen der Modebranche innerhalb einer Generation zu dritteln?

Das wäre großartig. Ist es aber nicht.

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Eigentlich ist es eher ein Fashion Faux Pact, wenn du uns fragst‍(und Wortspiele magst).

Weil der Großteil der Emissionen der Textilindustrie weder von den verwendeten Materialien noch von der Beleuchtung der Büros oder Geschäfte abhängt.

Um zu verstehen, woher die Treibhausgase der Textilindustrie kommen, müssen wir ein bisschen Physik machen (versprochen, das ist leicht zu verstehen, auch wenn du seit der achten Klasse keinen Bunsenbrenner mehr in der Hand hattest).

Die Herrschaft der Maschinen

Die Treibhausgasemissionen der Textilindustrie stammen größtenteils von etwas, das du nie siehst : der Energie, die die Maschinen verbrauchen, um Rohstoffe – ob Baumwolle, Leinen, Tencel oder Polyester – in Kleidung zu verwandeln.

Zeit für ein bisschen “Factory Porn”:

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“Hallo, ich bin hier, um die Krempelmaschine zu reparieren.”‍Eine Krempelmaschine richtet die Baumwoll- oder Wollfasern parallel aus.
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Eine Maschine, die die Faserbänder zu Garn “verspinnt” und auf Spulen aufwickelt.
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Ein Webstuhl (auf Englisch heißt das “loom” – ein schönes Wort, findest du nicht?).
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Ein Rundstrickautomat, mit dem zum Beispiel deine T-Shirts gestrickt werden.
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Färbebottiche für Kleidung (die Temperatur steigt bis auf 100 °C).
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Eine Sanforisiermaschine, die Wasserdampf auf die Textilien bläst, damit sie beim Waschen nicht gleich drei Nummern kleiner werden.

Etc., etc.

All diese riesigen Maschinen verbrauchen sehr, sehr viel Strom. Und sie stehen oft in Asien, wo der Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken kommt – fossile Energien, die bei der Verbrennung Treibhausgase ausstoßen. Das schlägt am Ende ordentlich zu Buche beim CO2-Fußabdruck eines Kleidungsstücks:

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Verteilung der Emissionen eines Kleidungsstücks über seinen gesamten Lebenszyklus (ohne Nutzung und Entsorgung), auf Basis der Studien von Quantis und McKinsey. Diese Daten stimmen mit dem aktuellen WRI-Berichtüberein, der den Rohstoffen 24 % der Emissionen zuschreibt.

Indem sie ihre Bemühungen auf Rohstoffe oder ihr Filialnetz konzentrieren, kämpfen die Marken an der falschen Front: So werden sie es garantiert nicht schaffen, ihre CO2-Emissionen in 30 Jahren zu dritteln. Selbst in einem ultra-ultra-optimistischen Szenario, in dem wir annehmen, dass nachhaltige Rohstoffe völlig ohne CO2-Emissionen hergestellt werden (was nicht der Fall ist) und die Produktionsmengen nicht mehr weiter steigen (was ebenfalls nicht der Fall ist), sieht die bestenfalls zu erwartende CO2-Emissionskurve so aus:

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Gestrichelt: Verlauf der CO2-Emissionen, wenn die ganze Welt die gleiche Art von Strategie verfolgen würde wie die Textilindustrie.

Kurz gesagt: Der einzig wirksame Weg, die Katastrophe abzuwenden, besteht darin, dass die Textilmaschinen ihre Emissionen drastisch senken. Aber wie?

Erste Option – diese Maschinen mit “saubereren” Energien betreiben

Windräder, Solarpaneele … Problem: In den letzten 30 Jahren, seit wir uns fürs Klima ins Zeug legen, hat sich der Anteil fossiler Energien an der Stromerzeugung kaum verändert …

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Quelle: Our World in Data.

Kurz gesagt: Unsere Klamotten werden nach wie vor hergestellt dank Kohle und Gas. Es gibt trotzdem Grund zum Optimismus für die Zukunft, vor allem weil die Kosten für erneuerbare Energien so stark gesunken sind, dass sie seit einigen Jahren beginnen, wettbewerbsfähig zu werden gegenüber fossilen Energien. Aber um so niedrige Kosten zu erreichen, braucht es weiterhin einen guten Anteil an fossilen oder nuklearen Energien, um eine durchgängige Stromversorgung sicherzustellen (ja, es scheint nicht 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche die Sonne, und der Wind weht auch nicht immer). Also: Dass sich der Einsatz fossiler Energien in den nächsten 30 Jahren dritteln lässt … eher unwahrscheinlich.

Zweite Option – wir müssen effizientere Maschinen bauen, die weniger Energie verbrauchen.

Es stimmt, es gibt vielversprechende Ansätze, vor allem bei den Färbeprozessen. Inzwischen lassen sich Maschinen bauen, die Kleidung färben mit deutlich weniger Wasser, wodurch man nicht mehr riesige Wassermengen auf hohe Temperaturen bringen muss und dadurch deutlich weniger Energie verbraucht.

Und bei den anderen Maschinen? Das sieht schon viel komplizierter aus. Um die Emissionen der Maschinen in 30 Jahren durch 3 zu teilen, müsste man ihren Energiewirkungsgrad um 300 % steigern … was so gut wie keine Chance hat, einzutreten. Um dir eine Vorstellung zu geben: Der Wirkungsgrad von Benzin-Verbrennungsmotoren im Auto hat sich in 30 Jahren um 16 % verbessert. Bei Flugzeugen sieht es ungefähr genauso aus. Und bei Spinnereien oder Webstühlen, wo von vornherein viel weniger in Forschung und Entwicklung (R&D) investiert wird, ist schwer vorstellbar, dass da noch viel mehr geht … Ganz zu schweigen davon, dass sich der gesamte bestehende Maschinenpark nicht von heute auf morgen austauschen lässt.

Und dann (damit hätten wir wohl anfangen sollen), in der Geschicht...

Eine verbesserte Energieeffizienz hat fast NIE dazu geführt, dass der Energieverbrauch wie erwartet gesunken ist.

Manchmal hat sie ihn sogar erhöht. Das nennt man Rebound-Effekt : Wenn der Wirkungsgrad von Maschinen steigt, sinken die Produktpreise, und das animiert die Leute, mehr zu kaufen. Dieser Effekt tritt überall und ständig auf (und trotzdem vergisst die Umweltpolitik ihn fast immer).

Ein paar historische Beispiele für Rebound-Effekte:

  • Im Verkehr: Die Effizienz der Motoren wurde verbessert, wir zahlen also weniger pro gefahrenem Kilometer und reisen deshalb öfter. Ergebnis: Der weltweite Ölverbrauch pro Kopf steigt immer weiter.
  • Im digitalen Bereich: Die Kosten für Datenspeicherung und die Preise für Endgeräte sind gesunken, und die Digitalbranche verbraucht heute fast 10 % des weltweiten Stroms.
  • In der Textilindustrie selbst: Dass wir uns heute so viele Klamotten kaufen, liegt vor allem daran, dass Tausende Maschinen die Handarbeit ersetzt und die Kleidungspreise drastisch gesenkt haben.
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Das Spinnrad: eine nicht besonders effiziente Art, ein T-Shirt herzustellen, die die Leute aber davon abhielt, sich gleich 10 pro Jahr zu kaufen.

Also … Welche letzte Option bleibt uns noch, um die CO2-Emissionen in 30 Jahren zu dritteln?

Das Konsumvolumen von Kleidung dritteln

Ja, du hast richtig gelesen: Wenn die Marken die lebendige Welt nicht opfern wollen, müssen sie uns dreimal weniger Kleidung verkaufen als heute.

Und das ist … genau das Gegenteil von dem, was sie tun.

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Das Verkaufsvolumen von Kleidung hat sich in Frankreich in 20 Jahren fast verdoppelt – durch die Flut der Fast Fashion und dann den Aufstieg des Online-Handels: Amazon, Vente Privée, Zalando, Wish … (Quellen hier).

Wie die aktuelle Strategie der Marken die Überproduktion verschlimmert

Wenn Marken ständig betonen, dass sie “nachhaltigere” Materialien verwenden, ohne sonst etwas zu ändern, macht das die Sache schlimmer (ob ihnen das bewusst ist oder nicht). Indem sie sich als “grün” präsentieren, obwohl sie sich nur um Nebensächlichkeiten kümmern, beruhigen die Marken die Öko-Angst ihrer Kundschaft, um sie weiter zum Kaufen zu bewegen – oder sie sogar dazu zu bringen, noch mehr.

Ein Panel aus zehn Modemarken bestätigte kürzlich, dass “nachhaltiges Design” ihren Umsatz spürbar steigern könne, um +7 % bis +18 % (bei gleichzeitig sinkenden Produktionskosten). Na klar: Wir konsumieren mehr, wenn man uns von unseren negativen Gefühlen ablenkt. In dieser Studie, haben Forschende zum Beispiel gezeigt, dass 20 % mehr Geschenkpapier verwendet wurde, wenn uns gesagt wurde, dass die Reste recycelt würden … Das sieht man übrigens auch in der Kommunikation der Marken – die nachhaltigen Argumente sind Alibis, um Menschen zu mehr Konsum zu bewegen:

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15 % Rabatt, wenn du deine Kleidung in die Recyclingtonne wirfst.
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Geschenkkarten zu gewinnen im Rahmen einer Kampagne rund ums Recycling.
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Ein Foto, das uns kürzlich ein Kunde geschickt hat: 3 “grüne” Kleidungsstücke zum Preis von zweien.
Kleiner Exkurs: Warum Recycling (manchmal) nur Augenwischerei ist
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Manche Marken preisen Recycling oder die “Kreislaufwirtschaft” als Lösung für Umweltprobleme an, indem sie zum Beispiel Recyclingstationen in ihren Läden aufstellen.

Klar, Recycling hat Vorteile – zum Beispiel kann man Materialien lokal produzieren oder weniger Neumaterial verwenden. Aber wenn es um die Reduktion von Treibhausgasen geht, hilft Recycling nur sehr wenig. Und das aus drei Gründen:
1/ Heute wird nur 1 % unserer Kleidung wirklich “recycelt”, also zu neuer Kleidung verarbeitet. Klar, Kleidung in gutem Zustand wird über Secondhand-Läden weiterverkauft, aber das macht nur 6 % der Mengen aus. Und der Rest? Der landet entweder in Afrika (wo vieles nur die offenen Mülldeponien vergrößert) oder wird zu Putzlappen oder Dämmstoffen “downgecycelt”.

2/ Nehmen wir an, die Recyclingtechnologien werden ausreichend verbessert und wir schaffen es, deutlich mehr neue Kleidung aus alter herzustellen. Würde das unsere Treibhausgasemissionen senken? Kaum. Recycling spart Material, aber kaum Energie. Auch ein Kleidungsstück aus recycelten Fasern muss durch denselben industriellen Prozess: Spinnen – Färben – Stricken/Weben – Konfektion. Ergebnis: Selbst wenn wir annehmen, dass sich die Menge an recycelter Kleidung um das 40-Fache erhöht (also auf 40 % steigt, was megaoptimistisch ist), würde das nur 5,9 % der CO2-Emissionen gegenüber heute einsparen (und wenn du mitgezählt hast: Das Ziel ist, durch 3 zu teilen, also eine Reduktion um 66 % …).

3/ Und selbst dieser kleine Rückgang bei den CO2-Emissionen setzt voraus, dass Kleidung aus recycelten Fasern die gleiche Qualität hat wie andere – was leider nicht immer der Fall ist. Bei Naturfasern wie Baumwolle sind recycelte Fasern kürzer, wodurch die Kleidung von schlechterer Qualität ist als die aus Neufasern: Sie bildet mehr Knötchen, verformt sich schneller und so weiter. Bei gleichem Gebrauch … muss also mehr davon produziert werden.

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Über die Konsumierenden hinaus lähmt dieses Greenwashing auch bürgerschaftliches und politisches Handeln. Weil wir den Eindruck haben, dass die Marken sich um das Problem kümmern, denken wir, die Lage sei unter Kontrolle.

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Vorstellung des “Fashion Pact” im Élysée-Palast: Wenn so wichtige Leute so zufrieden aussehen, denkt man sich, dass schon alles gut wird, oder?

Tatsächlich erwecken die meisten aktuellen Bemühungen der Marken – wie neue nachhaltige Materialien zu entwickeln, Recycling zu versprechen oder Energiesparlampen in den Läden zu installieren – den Eindruck, dass es eine technologische Lösung für das Klimaproblem geben wird. Sie bleiben in einer Logik des “grünen Wachstums” gefangen, die sie davon abhält, das eigentliche Problem anzugehen: Wie kommt die Textilindustrie aus ihrer Logik des Überkonsums heraus? Dieser Rauchvorhang kostet uns wertvolle Zeit, dabei ist dringendes Handeln gefragt.

Also, wir Marken – was müssen wir tun?

Was die Marken tun müssen

Um die jährlich produzierten Kleidungsmengen zu senken, müssen wir die direkten Ursachen dieses Überkonsums angehen.

Das Erste, was wir tun müssen, ist, unsere Kommunikation nicht länger auf symbolische Maßnahmen mit geringer ökologischer Wirkung zu fokussieren , die aber Kundinnen und Kunden zum Mehrkauf verleiten könnten: recycelte Polybags, Kraftpapier-Verpackung, nachhaltige Materialien, Sammelstationen für Altkleider in den Läden usw.

Heißt das, es ist schlecht, diese nachrangigen Maßnahmen umzusetzen? Dass wir mehr Polyester verwenden und auf Leinen verzichten sollten? Natürlich nicht. Wir müssen bei diesen Themen des nachhaltigen Designs weiter vorankommen, aber uns bewusst sein, dass das nicht ausreicht. Wir Marken müssen uns zunächst auf die folgenden drei Dinge konzentrieren:

  1. Die Qualität der Kleidung verbessern. Sinkende Qualität verkürzt die Lebensdauer von Kleidung und zwingt Konsumierende dazu, ihre Kleidung öfter zu erneuern.
  2. Die Produktion zurückverlagern. Indem sie das Rennen um niedrige Preise befeuert, verschärft die Produktionsverlagerung ins Ausland die Phänomene von Überkonsum und Überproduktion. Die Rückverlagerung nach Frankreich oder Portugal senkt dagegen die Treibhausgasemissionen drastisch, weil die dort genutzten Energien wenig CO2 ausstoßen.
  3. Vor allem, vor allem: aufhören, zum Konsum zu drängen : aufhören, die Öko-Angst der Menschen mit Werbung für “klimaneutrale”, “nachhaltige” oder “Kleidung mit positiver Wirkung” einzulullen (nichts davon existiert wirklich), das Tempo bei neuen Kollektionen drosseln, Sale und Rabattaktionen seltener machen, weniger Werbung schalten, mit Retargeting im Netz aufhören, nicht ständig mit begrenzten Lagerbeständen oder Fristen kommunizieren, limitierten Editionen und Kollabs einen Riegel vorschieben usw.

Unter diesen Bedingungen werden Unternehmen also tatsächlich dazu kommen, weniger Kleidung herzustellen. Und selbst wenn sie diese Kleidung etwas teurer verkaufen (der Preis für Qualität und lokale Produktion), werden sie wahrscheinlich weniger Umsatz machen. Ist das ein Problem? Für ihre Aktionäre eindeutig. Für die Menschen, die dort arbeiten? Vielleicht kurzfristig. Aber langfristig ist das eine ausgezeichnete Nachricht für die Beschäftigung. In den letzten 30 Jahren, während das Volumen der verkauften Kleidung explodiert ist, ist die Zahl der Arbeitsplätze in der französischen Textilindustrie durch die Verlagerungen eingebrochen – von 425.000 auf nur noch 100.000. Ein Rückgang, der die Zahl der Arbeitsplätze, die im Einzelhandel für Kleidung entstanden sind, bei Weitem übersteigt (+ 50.000 zwischen 1996 und 2010). Wenn es uns morgen gelingt, das Land nach und nach zu reindustrialisieren, könnte das Hunderttausende lokale Jobs schaffen.

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Die Aktionärinnen und Aktionäre der Modeunternehmen – aber wie sollen sie über die Runden kommen, wenn sie weniger Kleidung verkaufen? Lasst uns eine Spendenaktion für sie starten.

Wie bringen wir die Marken dazu, sich zu ändern? Wie wir schon in diesem Artikel oder in dieser TED-Konferenzerklärt haben, müssen wir gemeinsam aufhören, nur von Wachstum zu träumen, und eine Kultur des “Besser” entwickeln, die die Kultur des “Mehr” ablöst. Aber wir sind nicht naiv: Wir können unsere Zukunft nicht auf eine Bewusstseinsrevolution in den Unternehmen setzen. Übrigens kennen wir jede Menge großartige Leute in großen Modemarken, die gerne etwas ändern würden, es aber nicht schaffen.

Das Problem ist, dass es heute eine “Prämie fürs Falschmachen” gibt – also einen wirtschaftlichen Vorteil dafür, schlecht und viel zu produzieren. Nimm eine Marke, die ihre Produktion nach Bangladesch verlagert hat, in Fabriken, die mit Kohlekraftwerken laufen und ihre giftigen Abwässer in Flüsse leiten (also eine nicht besonders schöne Fabrik). Sie muss keine der versteckten Kosten ihres Verhaltens tragen: weder die langfristigen Kosten der Erderwärmung noch die Reinigung der Flüsse noch die Arbeitslosenversicherung in Frankreich für die Menschen, die ihren Job verlieren. Eine Marke dagegen, die die gleichen Produkte in Frankreich herstellt, lokale Arbeitsplätze schafft und ausschließlich auf erneuerbare Energien setzt, zahlt für ihre Kleidung 10-mal mehr und wird wahrscheinlich 10-mal weniger davon verkaufen. Ein verantwortungsvolles Unternehmen zu sein bedeutet oft, sich viel Mühe zu geben, die am Ende ein echter Nachteil gegenüber der Konkurrenz ist. Ein bisschen wie die ungedopten Fahrer der Tour de France: Sie trainieren härter … um langsamer zu fahren.

Also müssen wir uns, wie bei der Tour, fragen, wen wir gewinnen lassen wollen. Und dann die Spielregeln ändern.

Die Gesetze ändern

Wir sind wahrscheinlich etwas idealistisch, aber gesetzlich gäbe es unserer Meinung nach mehrere Stellschrauben, die in die richtige Richtung gehen würden, um das verkaufte Kleidungsvolumen bis 2050 durch 3 zu teilen (oder kurzfristiger gedacht: das Volumen bis in 10 Jahren um 30 % zu senken)

[Update des Artikels von Januar 2022] Seit wir diesen Artikel Anfang 2021 geschrieben haben, hat sich beim Vorhaben, die Gesetze in der Textilindustrie zu ändern, einiges getan. Wir haben an der Gründung von En Mode Climat mitgewirkt, einer Koalition von über 300 Akteuren der Textilbranche (Marken, aber auch Fabriken, Organisationen, Medien …), die sich für verantwortungsvolles Lobbying im Kampf gegen die Erderwärmung zusammengeschlossen haben. Mit En Mode Climat versuchen wir, die Regulierung in die richtige Richtung zu bewegen, insbesondere bei der Umweltkennzeichnung oder der Einführung eines Bonus-Malus-Systems, das Fast Fashion bestraft und die verantwortungsvollsten Marken fördert. Mehr Infos auf der Website von En Mode Climat.

Das ist manchmal etwas technisch, deshalb packen wir all unsere Vorschläge in den Kasten unten, den du lesen kannst, wenn du tiefer einsteigen willst.

Vorschläge, um die Gesetze im Textilbereich zu ändern

Es ist entscheidend, die Debatte möglichst schnell in die richtigen Bahnen zu lenken: In ein paar Monaten wird die französische Regierung das Anti-Verschwendungsgesetz für eine Kreislaufwirtschaft der Textilbranche ändern (über das künftige Lastenheft der Herstellerverantwortung REP Textile). Die Gelegenheit, die Marken zu echten Umweltmaßnahmen zu zwingen: Bonus-Malus im Verkaufspreis, Umweltkennzeichnung, Wiederverwendungspflicht usw.

A – Handelsschranken für Kleidung einführen, die unter schlechten menschlichen und/oder ökologischen Bedingungen hergestellt wird.

Es erscheint uns nicht richtig, dass es heute erlaubt ist, Kleidung nach Frankreich zu importieren, die am anderen Ende der Welt mit Zwangsarbeit und Strom aus Kohlekraftwerken hergestellt wurde. Hier ist, was man tun könnte, um das zu ändern:

  • Einen Grenzausgleichsmechanismus einführen (zum Beispiel eine CO2-Grenzsteuer), damit solche Kleidungsstücke nicht ohne hohe Besteuerung nach Frankreich eingeführt werden können.
  • Textil-Importquoten einführen, wie die Multifaserabkommen , die es gab, bevor sie 2005 von der WTO abgeschafft wurden. Angesichts dessen, was auf dem Spiel steht (unser aller Überleben), erscheint es uns nicht undenkbar, wieder einen koordinierten und kooperativen internationalen Protektionismus einzuführen.
  • Für die Umsetzung von dem Gesetz zur Sorgfaltspflichtsorgen, das es ermöglicht, multinationale Konzerne finanziell zu belangen, die Menschenrechte und Umwelt verletzen. Es ist ein Gesetz aus dem Jahr 2017, mit dem Frankreich weltweit eine Vorreiterrolle eingenommen hat, das aber noch nicht wirklich angewendet wird: Beim jüngsten Textilskandal um Zwangsarbeit der Uigurinnen und Uiguren in China begnügte sich die Regierung mit einer Ermahnung der betroffenen Marken.
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Die französische Regierung und die Marken, die dank Zwangsarbeit produzieren.

B – Unternehmen zu mehr Transparenz verpflichten

  • Die Produktionsbedingungen. Warum ist die Angabe des Herstellungslands/der Herstellungsländer auf Etiketten und Markenwebsites nicht verpflichtend?
  • Eine verpflichtende Umweltkennzeichnung mit einer Bewertung von A bis E für jedes Produkt. Dieses Thema wird derzeit auf französischer und europäischer Ebene diskutiert. Loom wurde in die Arbeitsgruppen einbezogen, aber ob unser “Lobbying” etwas bewirkt, ist nicht sicher. Dabei ist es unerlässlich, dass diese Umweltkennzeichnung die Langlebigkeit der Kleidung berücksichtigt – sowohl ihre Qualität als auch die Anreize zum Konsum (man könnte zum Beispiel einen Malus für Marken einführen, die ihre Kollektionen zu schnell erneuern).

C – Die « Steuer » der Öko-Abgabe auf Kleidung ändern.

‍Heute zahlt eine Marke, wenn sie ein Kleidungsstück auf den Markt bringt, eine Abgabe, die sich verringern lässt, wenn das Kleidungsstück als robuster gilt oder aus recycelten Materialien besteht. Auf dem Papier klingt das super … Aber es bräuchte:

  • Den Betrag erhöhen: Diese Abgabe liegt heute bei etwa 1 Cent pro Kleidungsstück. Wie soll ein so geringer Betrag Marken dazu bringen, die Qualität zu verbessern? Solange dieser Betrag die Mehrkosten einer verantwortungsvollen Produktion nicht ausgleicht, wird die « Prämie fürs Falschmachen » weiter den Ton angeben.
  • Die Berechnungsgrundlage ändern: Man müsste den Anteil der genutzten fossilen Energien in das Malus-System einbeziehen, auch wenn das technisch kompliziert ist, weil sich die Organisation, die diese Abgabe verwaltet, auf das Lebensende des Produkts konzentriert (was übrigens genau das Problem ist). Das würde Marken bestrafen, die ihre Kleidung in asiatischen Ländern mit fossilen Energien produzieren, und Marken begünstigen, die lokaler produzieren, etwa in Frankreich oder Portugal, wo die Energie kaum “CO2-belastet” ist (siehe dazu diese Studie der Union des Industries Textiles, dem französischen Textilindustrieverband).

D – Greenwashing bestrafen.

Dafür darf die ARPP (die Aufsichtsbehörde für Werbung) nicht mehr ausschließlich von Unternehmen gesteuert werden, sondern muss auch öffentliche Akteure und/oder NGOs in ihre Führung einbeziehen. Genauso dürfen die Systeme der « erweiterten Herstellerverantwortung » (wie Eco TLC / Refashion für Mode) nicht länger von den Unternehmen selbst reguliert werden. Solange diese Organisationen nur aus Marken der Branche bestehen (und nicht aus öffentlichen Stellen oder NGOs), werden ihre Verpflichtungen nie wirklich bindend sein.E – Öffentliche Finanzierungsinstrumente steuern (staatlich garantierte Kredite, BPI-Darlehen, Forschungssteuergutschrift …), damit sie nur an Unternehmen fließen, die bestimmte Kriterien erfüllen (Qualität der Kleidung, Konsumanreize, europäische Fertigung …). Ist es normal, dass manche Marken, die am anderen Ende der Welt produzieren, wegen der Corona-Folgen schnell einen staatlich garantierten Kredit erhalten haben, während manche französische Textilbetriebe noch darauf warten?F – Reparatur und Aufarbeitung gebrauchter Kleidung fördern. Viele Kleidungsstücke könnten repariert werden, statt einfach weggeworfen zu werden. Die Kollektions-Steuergutschrift (die immerhin 45 Millionen Euro ausmacht und die Entwicklung neuer Produkte finanziert) könnte in eine Wiederverwendungs-Steuergutschrift umgewandelt werden, um die Reparatur von Kleidung zu finanzieren. Das birgt ein großes Potenzial für die Schaffung lokaler Arbeitsplätze.

Warum das eine gute Nachricht ist

An dieser Stelle denkst du dir vielleicht, dass wir dir eine etwas trostlose Welt versprechen, in der wir uns das Kaufen verkneifen, in der Unternehmen verschwinden, in der wir alle gleich in Schwarz, Blau und Grau herumlaufen.

Es ist genau das Gegenteil.

Heute wissen wir nicht, unter welchen Bedingungen unsere Kleidung hergestellt wird, und wir empören uns über die zahlreichen Skandale der Textilindustrie, von den Uigurinnen und Uiguren bis zu Rana Plaza. Morgen könnten wir Hunderttausende würdige Arbeitsplätze in unseren Regionen neu schaffen und wissen, woher unsere Kleidung kommt.

Heute erstickt eine Handvoll gigantischer globaler Marken mit ihrem Wettrennen um niedrige Preise die anderen und vereinheitlicht den Kleidungsgeschmack der ganzen Welt. Morgen könnten sie Platz machen für Tausende Marken, die lokaler, durchdachter und kreativer sind und weniger Elend und Ungleichheit erzeugen.

Heute verbringen wir unsere Samstagnachmittage damit, immer mehr Klamotten zu kaufen, obwohl unsere Schränke schon überquellen, in Einkaufsstraßen, in denen wir unermüdlich auf dieselben Läden stoßen, ob in Saint-Malo, Brive, Paris oder Nancy. Morgen könnten wir die Freude an durchdachten Einkäufen wiederentdecken. Uns mit schöneren, langlebigeren Kleidungsstücken kleiden. Einen Knopf (an)nähen lassen, statt ein Hemd wegzuwerfen. Einen Laden entdecken, den wir sonst nirgendwo gesehen hätten.

Jetzt bist du dran

Wenn du in der Textilbranche arbeitest

Die Zeit drängt: In ein paar Monaten wird die Regierung das Anti-Verschwendungsgesetz für eine Kreislaufwirtschaft für die Textilbranche ändern, das Marken zum Handeln zwingen könnte. Im Moment bewegt sich mit dem weiter oben erwähnten Fashion Pact vieles in die falsche Richtung. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Regierung die Herausforderungen versteht und diese Vorschläge hört.

Wenn wir alleine sind, werden sie uns nicht zuhören. Aber wenn sie merken, dass wir zu Hunderten sind, hören sie vielleicht hin. Wenn du also auch denkst, dass wir die Gesetze ändern müssen, um mit dem Überkonsum Schluss zu machen, dann trag dich hier ein, damit wir eine Koalition von Akteuren der Textilbranche aufbauen und dieses Thema vor die Regierung bringen können.

Wenn du Bürgerin oder Bürger bist

Na, du hast es erraten: Wenn wir die Textilproduktion durch 3 teilen müssen, muss jede und jeder von uns auch die eigenen Kleiderkäufe entsprechend reduzieren (das ist nicht verhandelbar, sorry an Cristina Cordula, die französische Stil-Ikone aus dem Fernsehen). Aber über individuelle Maßnahmen hinaus hast du noch andere Möglichkeiten. Die Marken versuchen, dich über soziale Netzwerke zu erreichen, um ihre Produkte zu verkaufen – also kannst auch du mit ihnen sprechen. Ermutige sie zur Rückverlagerung der Produktion, sprich sie an, wenn du merkst, dass sie sich auf symbolische Maßnahmen mit geringer ökologischer Wirkung konzentrieren oder zu sehr zum Konsum drängen (wir haben dafür einen Insta-Account zu diesem Thema erstellt). Marken sollten sich schämen, zum Konsum zu verleiten, und stolz darauf sein, es richtig zu machen. Und solange das Gesetz sie nicht dazu zwingt, muss gesellschaftlicher Druck der Motor des Wandels sein.

Und wenn dir noch Energie übrig bleibt, kannst du auch die « Informationsquellen » der Mode ansprechen (Bewertungs-Apps, Medien, Blogs zu ethischer Mode, Verzeichnisse, Insta-Accounts, die ethische Marken listen usw.): Diese Akteure haben großen Einfluss, sowohl auf Einzelpersonen als auch auf Marken. Es ist entscheidend, dass auch sie den Blick für die Kriterien öffnen, die wirklich zählen.

Gemeinsam ändern wir die Spielregeln.

Artikel geschrieben von Guillaume Declair

Ein paar Lektüren, die uns beim Schreiben dieses Artikels geholfen haben, falls du tiefer einsteigen willst

  • Das Buch Recyclage le Grand Enfumage von Flore Berlingen
  • Das Buch Retour sur Terre : 35 propositions von einem Autorenkollektiv, darunter Dominique Bourg, Philippe Desbrosses und Pablo Servigne
  • Ein paar Artikel aus dem Blog von Jean-Marc Jancovici: die Kaya-Identität oder die Energie der Maschinen (oder ein Video seines Vortrags , falls du zu faul bist, die Artikel zu lesen)
  • Die hervorragende Seite Carbon Brief zum Klimawandel
  • Berichte, um die CO2-Bilanz der Textilindustrie zu verstehen: der Quantis-Bericht Measuring Fashion und der McKinsey-Bericht Fashion on Climate
  • Die Arbeiten von Negawatt zum besten Weg, die Energiewende hin zu einer kohlenstoffarmen Gesellschaft zu schaffen
  • Zufall des Timings: eine Studie eines Forschers des Instituts Cycleco, veröffentlicht am 24. Februar 2021, eine Woche nach unserem Artikel, bestätigt genau die Zahlen, die wir für diesen Artikel berechnet hatten: 69 % der CO2-Emissionen von Kleidung entfallen auf die industrielle Fertigungsphase. Diese Zahl wurde dank 20 französischer Textilunternehmen ermittelt, die bei 17 Produkten die Zahlen ihrer Fabriken beigesteuert haben. Ein weiterer Bericht, der des World Resources Institute, ebenfalls im November 2021 nach dem Artikel erschienen, weist ebenfalls 76 % der Emissionen der industriellen Phase zu (mit guter Transparenz bei den Annahmen und Berechnungsmethoden).

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Wer sind wir, dass wir das behaupten? 
Du bist hier auf La Mode à l’Envers, dem Blog der Kleidungsmarke Loom. Die Textilindustrie hat sich gründlich verstrickt – und die Rechnung zahlt der Planet. Deshalb erklären wir dir hier alles, was wir über die Branche herausfinden. Denn langlebige Kleidung herzustellen ist gut – aber aufdecken, teilen und inspirieren bewirkt noch viel mehr.
Wir machen nie Werbung: Wenn dir gefällt, was wir schreiben, und du mehr davon willst, kannst du unseren Newsletter hier abonnieren. Versprochen, wir schreiben dir höchstens einmal im Monat.
Wenn wir sagen, dass die Bekleidungsbranche ihre Emissionen in Frankreich “dritteln” muss, sind wir eigentlich noch nett. Es ist wahrscheinlich deutlich mehr, aus zwei Gründen: 1. Es ist die gesamte Wirtschaft, die ihre Emissionen durch drei teilen muss. Manche lebenswichtigen Wirtschaftssektoren können ihre Emissionen aber nur schwer drastisch senken. Nehmen wir die Lebensmittelindustrie: Klar, man kann die Leute dazu bringen, weniger Fleisch zu essen, aber man kann ihnen nicht sagen, sie sollen weniger Kalorien zu sich nehmen. Weniger lebenswichtige Wirtschaftssektoren wie die Bekleidungsbranche sollten also einen größeren Anteil an der Emissionssenkung übernehmen. 2. Es ist die weltweite Textilindustrie, die ihre Emissionen durch 3 teilen muss. In Frankreich starten wir aber von einem viel höheren Niveau aus als anderswo … Im Sinne der Gerechtigkeit gegenüber den Menschen in anderen Ländern, die heute weniger Klamotten kaufen als wir, sollten die Französinnen und Franzosen also wahrscheinlich eine größere Anstrengung leisten. Kurz gesagt: Vielleicht müssten wir die Emissionen der Bekleidungsbranche in Frankreich durch 5 oder durch 10 teilen, aber nehmen wir zur Vereinfachung 3.
Der Fashion Pact verpflichtet sich, 25 Prozent Rohstoffe mit geringer Umweltwirkung zu erreichen.
50 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 für Scope 1 und 2, also für ihre Büros und Geschäfte
Mama, das Wortspiel ist, dass in "FASHION FAUX PACT" "fashion faux pas" steckt.
Das zeigen wir dir weiter unten im Artikel.
Klar, die Kraftwerke sind leistungsfähiger geworden und stoßen daher pro erzeugter kWh immer weniger CO2 aus, aber der steigende Verbrauch gleicht diese Verbesserungen leider wieder aus...
Definition des Energiewirkungsgrads: das Verhältnis zwischen der von einer Maschine erbrachten Leistung und der dafür verbrauchten Energie.
Definition laut Wikipedia: "Produktgestaltung nach den Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung und des Umweltschutzes: Begrenzung des Verbrauchs nicht erneuerbarer Ressourcen, Verwertung von Abfällen, Förderung von Wiederverwendung, Reparatur und Recycling".
Zumal die Marken einen immer größeren Anteil synthetischer Materialien wie Polyester verwenden, deren CO2-Fußabdruck höher ist.

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