Insectocalypse Now: warum wir unsere Kleidung auf Bio-Baumwolle umstellen

Insectocalypse Now: warum wir unsere Kleidung auf Bio-Baumwolle umstellen

Illustration eines Flugzeugs, das Insektizid über einem Baumwollfeld versprüht
Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Französisch geschrieben, unserer Muttersprache. Falls dir eine Formulierung holprig vorkommt, entschuldige bitte – und schreib uns gern an hello@loom.fr, damit wir die Übersetzung verbessern können.

Vor noch nicht einmal zwei Jahren hatten wir überhaupt nicht vor, unsere Kleidung auf Bio-Baumwolle umzustellen. Als wir uns näher mit dem Thema befasst haben, haben wir gemerkt, dass wir uns geirrt hatten.

Bis Anfang der 90er-Jahre sah deine Windschutzscheibe nach einer langen Autofahrt so aus:

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Heute kannst du dieselbe Strecke fahren: es wird wahrscheinlich kein einziges Insekt mehr darauf sein.

Vorteil: Deine Windschutzscheibe ist sauber.
Nachteil: Wir werden alle sterben.

Die Insectocalypse

Seit etwa zehn Jahren hat Bio auf unseren Tellern seinen festen Platz. Man muss sagen: Wenn es um Essen geht, hat der Biolandbau ein gewichtiges Argument: er erhöht nicht das Krebsrisiko.

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Behandelt im Schnitt 35 Mal : Der Apfel aus konventioneller Landwirtschaft ähnelt dem aus Schneewittchen.

Aber wenn es um Klamotten geht, ändert es nichts an deiner Gesundheit, ob die Baumwolle deines T-Shirts bio ist oder mit Monsanto-Produkten besprüht wurde : Die giftigen Stoffe, die man in Kleidung findet, stammen aus Färbungen und anderen industriellen Behandlungen, nicht aus dem Baumwollanbau1.

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Wissenswertes für die nächste Party: So sieht Baumwolle aus. Und auch wenn viele von "Baumwollblüte" sprechen, siehst du hier eigentlich Früchte.

Das erklärt wohl, warum Bio-Baumwolle nicht denselben Aufschwung erlebt hat wie Bio-Lebensmittel: Sie macht nur 0,95% der Weltproduktion aus (gegenüber mehr als 6% bei Lebensmitteln). Die überwiegende Mehrheit des Baumwollanbaus stammt also aus der sogenannten "konventionellen" Landwirtschaft. Sprich: derjenigen, die chemische Düngemittel, Bewässerung und Monokultur bis zum Exzess einsetzt. Und auch die Pestizide.

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Foto von 1945: DDT, eines der ersten Insektizide, wird in Häusern versprüht, um Malaria zu bekämpfen (bevor man merkte, dass es Vögel dezimierte und beim Menschen das Risiko für Krebs, Frühgeburten, Autismus oder Alzheimer erhöhte).

Das Ding ist: Baumwolle ist im Wesentlichen eine "selbstbestäubende" Pflanze, das heißt, sie braucht niemanden, um sich fortzupflanzen, nicht einmal Bienen. Man kann also alle Insekten drumherum töten, ohne die Erträge groß zu beeinträchtigen. Ergebnis: Baumwolle nimmt nur 2-3% der landwirtschaftlichen Flächen ein, verbraucht aber 10% aller Insektizide der Welt.

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Erster Schritt bei der Herstellung eines T-Shirts aus sogenannter "konventioneller" Baumwolle.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass im Baumwollanbau immer mehr Neonicotinoideeingesetzt werden, weil sie laut dem Komitee der Baumwollerzeuger- und -verbraucherländerrelativ sicherere Pestizide sind.

Aber … sind sie wirklich so harmlos?

Wenn du über 30 bist, weißt du: nein. Weil du das "Windschutzscheiben-Syndrom" kennst, von dem eingangs die Rede war. Und falls du nicht Auto fährst, hier ein paar Zahlen. In Deutschland sind in nur 27 Jahren 75% der fliegenden Insekten verschwunden. In den USA haben zwei Drittel der untersuchten Insektenpopulationen 45% ihres Volumens verloren. Und wie die umfangreiche Recherche eines Journalisten von Le Monde zeigt, sind Neonicotinoide der Hauptgrund für dieses Verschwinden. Das Phänomen ist so massiv, dass Wissenschaftler es "Insect Apocalypse" nennen: Diese beiden Studien legen nahe, dassin nur 30 Jahren fast die Hälfte aller Insekten weltweit verschwunden ist.

Aber im Grunde sind uns Insekten doch egal, oder? Es ist ja nicht so, als wären sie zu irgendetwas nütze (außer uns an Sommerabenden ausgerechnet ins Augenlid zu stechen) …

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Wenn das so weitergeht, musst du deinen Kindern irgendwann erklären, dass das hier kein Mini-Badmintonschläger ist.

Tatsächlich sind Insekten extrem wichtig für unser Überleben.

Sterben zum Beispiel die Bienen, werden Blütenpflanzen nicht mehr bestäubt: Tschüss Obst und Gemüse, und allgemeiner gesagt etwa ein Drittel dessen, was auf unseren Tellern landet.

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Man muss nicht Neo aus Matrix sein, um depressiv zu werden, wenn man das bei jeder Mahlzeit isst.

Und wenn man das erste Glied der Nahrungskette zerstört, steht das Überleben aller anderen Arten auf dem Spiel2.

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"Das sind wie Glieder einer Kette im großen Kreislauf des Lebens."

Die beiden anderen Familien von Insektiziden im Baumwollanbau? Sie sind kaum besser:

Du hast es verstanden: Die konventionelle Landwirtschaft ist alles andere als verantwortungsvoll, und Baumwolle trägt einen großen Teil dazu bei.

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Offizielles Ranking der schlimmsten Bösewichte aller Zeiten.

Ein globales Problem des agroindustriellen Systems

In dreißig Jahren haben es die Agrochemie-Konzerne geschafft, den Einsatz von immer giftigeren Produkten zu verbreiten. Wie ist das möglich? Weil das agroindustrielle System als Ganzes keine echten Kontrollmechanismen besitzt. Durch die Lobbyarbeit der Industrie gerät das Vorsorgeprinzip völlig in Vergessenheit3. Frankreich hat gerade erstNeonicotinoide verboten (als erstes Land überhaupt), aber das löst das Problem nicht:

  • Diese Produkte bleiben sehr lange im Boden aktiv (20 Jahre bei Neonicotinoiden)
  • , es wird wahrscheinlich ein ebenso gefährliches Molekül geben, das sie ersetzt. Übrigens gibt es bereitsandere Pestizide im Umlauf, die sicher genauso gefährlich sind (nur fehlt uns bislang der nötige Abstand, um das zu erkennen).

Was ist also die Lösung?

Gentechnisch veränderte Baumwolle, die Raupen widersteht? Monsanto hat es mit Bt-Baumwolle versucht, die das Insektizid selbst produziert. Am Anfang hat es funktioniert: Dort, wo sie eingeführt wurde, sind die Pestizidmengen deutlich gesunken. Nur passt sich die Natur an: Die Raupen wurden resistent. Eine in China durchgeführte Studie zeigte, dass die Bauern nach sieben Jahren wieder beim selben Pestizidniveau wie vor der Einführung der Bt-Baumwolle angelangt waren.

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Man kann sagen, was man will, aber Humor haben sie bei Monsanto schon.

Das Einzige, was vernünftig ist, ist der Umstieg auf biologische Landwirtschaft (wie, das hattest du schon erraten ?).

Warum Bio gut ist

Der Anbau von Bio-Baumwolle verwendet deutlich weniger Insektizide als der "konventionelle" Anbau. Um Schädlinge loszuwerden, hält er ein Gleichgewicht zwischen Insekten und ihren natürlichen Fressfeinden aufrecht dank eines reichen, lebendigen Bodens, baut Fangpflanzen an4 am Rand der zu schützenden Felder …

Und der Bioanbau hat noch viele weitere Vorteile:

  • Er reduziert den Einsatz chemischer Düngemittel stark (bei Landwirten in der Agrarökologie fällt er sogar ganz weg) – dank Fruchtwechsel, Zwischenkulturen, minimaler Bodenbearbeitung, Gründüngung, Kompostierung …
  • Er verbraucht entgegen landläufiger Meinung weniger Wasser5.
  • Er verzichtet ganz auf synthetische Herbizide (und erst recht auf Glyphosat). Um zum Beispiel vor der Ernte die Blätter zu entfernen, wartet man lieber, bis sie beim ersten Frost von selbst abfallen.
  • Er macht Landwirte weniger abhängig von Agrochemie-Konzernen (um dir eine Vorstellung zu geben: Manche Kleinbauern im Baumwollanbau geben heute 60% ihres Einkommens für Pestizide aus)
  • Ein lebendiger, weniger gepflügter Boden kann CO2 aus der Atmosphäre binden. Das nennt sich regenerative Landwirtschaft, und sie könnte bis zu 13% unserer jährlichen CO2-Emissionen aufnehmen

Warum steigen dann nicht alle Marken auf Bio um ?

Es gibt Marken, die von Anfang an Bio-Baumwolle verwenden (Ekyog, Hopaal, 1083, Patine, Armed Angels, People Tree, Patagonia, Organic Basics, Knowledge Cotton Apparel …), und vor denen ziehen wir den Hut. Aber der Großteil der Kleidung (auch ein Teil unserer eigenen) wird weiterhin aus konventioneller Baumwolle hergestellt. Warum?

Erstes ungültiges Argument: der Preis

Ja, Bio ist teurer als Nicht-Bio. Bodenschonend anzubauen ist schwieriger, als ein Feld mit Pestiziden zu besprühen. Dazu kommt eine sehr schwierige Phase für Landwirte beim Umstieg von einem System zum anderen: Das kann mehrere Jahre dauern, in denen man nicht unter dem Bio-Label verkaufen darf.

Aber am Gesamtpreis eines Kleidungsstücks ändert das ehrlich gesagt nicht viel. Bei einem Hemd aus 100% Baumwolle liegen die Baumwollkosten bei etwa 1,5 €. Selbst wenn du deine Bio-Baumwolle doppelt so teuer einkaufst, kostet dich das 1,5 € mehr. Um dir eine Vorstellung zu geben: Bei einem unserer Hemden, das wir auf Bio-Baumwolle umgestellt haben, sind unsere Produktionskosten von 22 auf 24 € gestiegen.

Das ist doch absolut vertretbar, oder? Was Fast-Fashion-Marken heute davon abhalten kann, auf Bio-Baumwolle umzusteigen, ist, dass ihre Arbeitskraft so billig ist, dass eine Preissteigerung bei der Baumwolle prozentual gesehen zu einem großen Anstieg der Produktionskosten führt.

Zweites ungültiges Argument: die Qualität

Ob eine Baumwolle bio ist oder nicht, hat keinerlei Einfluss auf ihre Qualität: Die hängt im Wesentlichen vom Saatgut und den klimatischen Bedingungen ab.

Es stimmt aber, dass wir seit über einem Jahr suchen und es sehr schwierig fanden, Bio-Garne zu finden, die UND belastbar sind … Der Grund ist einfach: Die Nachfrage ist so gering, dass hochwertige Bio-Baumwolle (sogenannte "langfaserige" und "extra-langfaserige") nur weniger als 0,01% der Weltproduktion ausmacht.

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Belastbare Bio-Baumwolle zu finden, ist wie die Stecknadel im Baumwollballen zu suchen. Schick uns auch gern deine Wortspiele mit Baumwolle an hello@loom.fr

Aber Erzeuger von hochwertiger Bio-Baumwolle gibt es. Und je mehr Marken sich der Bio-Baumwolle zuwenden, desto mehr wird sich das Angebot entwickeln – auch das an hochwertiger Bio-Baumwolle.

Drittes ungültiges Argument: Bio-Baumwolle ist nicht besser als herkömmliche Baumwolle

Es gibt vielleicht Kontroversen rund um den biologischen Lebensmittelanbau, insbesondere zur Verwendung von Bordeaux-Brühe oder zur Tatsache, dass behandelte Felder ohnehin Bio-Felder kontaminieren. Aber im Textilbereich gibt es zwei Siegel, die garantieren, dass die Baumwolle bio ist, und die unseres Wissens nie infrage gestellt wurden (anders als die "Better Cotton Initiative" und andere grüne Labels):

  • OCS (Organic Content Standard)
  • GOTS (Global Organic Textile Standard), das zusätzlich menschenwürdige Arbeitsbedingungen garantiert

Der wahre Grund: Uns fehlen Informationen

Der wahre Grund, warum Marken nicht auf Bio umsteigen, ist, dass sich nur sehr wenige Menschen der Schwere der Probleme bewusst sind, die konventionelle Baumwolle verursacht.

Warum wissen wir das nicht? Weil die Pestizidhersteller (Bayer, Syngenta, BASF …) eine Nebelwand aufbauen6 und uns glauben machen wollen, dass das Insektensterben nicht an den Insektiziden liegt, sondern an einer Vielzahl anderer Ursachen: Klimawandel, Schädlingsbefall, Verstädterung, nächtliche Beleuchtung … Und das alles mithilfe von Lobbyarbeit und Finanzierung wissenschaftlicher Studien, um Zweifel zu säen (Diese hier zum Beispiel, finanziert von Bayer und Syngenta, versucht zu zeigen, dass Neonicotinoide in der Baumwolle völlig harmlos sind. Keine davon kann natürlich den abrupten Rückgang der Insektenpopulationen Mitte der 90er-Jahre erklären, genau zu dem Zeitpunkt, als die Neonics eingeführt wurden, aber egal.

Kurz gesagt, wie Stéphane Foucart in seinem Buch Et le monde devint silencieux :

"Der Agrochemie-Industrie ist ein bewundernswertes Kunststück gelungen: uns vergessen zu lassen, dass Insektizide genau das tun, wofür sie entwickelt wurden – nämlich Insekten zu vernichten."

Fazit

Um ehrlich zu sein: Vor noch nicht einmal zwei Jahren hatten wir überhaupt nicht vor, auf Bio-Baumwolle umzusteigen. Wir dachten, das wäre teurer bezahlt für nicht viel. Wir dachten naiv, es gäbe ja Gesetze, die uns schützen, und die Industrie könne nicht einfach machen, was sie wolle. Wir dachten, die Klimaerwärmung sei ein so schwerwiegendes Problem, dass sie alle anderen überstrahlt. Als wir uns näher mit dem Thema befasst haben, haben wir gemerkt, dass wir uns geirrt hatten.

Seit fast einem Jahr versuchen wir, unser gesamtes Sortiment auf Bio-Material umzustellen. Einige Produkte auf unserer Website sind es schon, wie die meisten unserer Hemden oder unserer Pullover. Bei den anderen sind wir dabei, aber wie oben schon gesagt, ist es ganz schön kniffelig, die richtigen Materialien zu finden. Zwei-, dreimal dachten wir, wir hätten den Dreh raus, und sind nach Belastungstests an den fertigen Produkten wieder bei null angefangen. Aber bis Ende 2020 sollten wir es schaffen, unser gesamtes Sortiment auf Bio umzustellen.

Eigentlich sollten wir nicht sagen, dass wir umsteigen auf Bio, sondern dass wir zurückkehren zu Bio. Um eine Klammer zu schließen, die nie hätte geöffnet werden dürfen.

Artikel geschrieben von Guillaume Declair

Update Oktober 2021

Wir haben einen ausgezeichneten Bericht der Transformers Foundation gelesen, der eine Reihe von Mythen über die Baumwollindustrie entkräftet. Nach der Lektüre haben wir mehrere Punkte im Artikel korrigiert:

  • Wir hatten geschrieben, dass Baumwolle 16% der weltweiten Insektizide verbraucht: Das ist eine veraltete Zahl aus dem Jahr 2014. 2019 machte Baumwolle laut International Cotton Advisory Committee (ICAC) 10,24% der weltweiten Insektizidverkäufe aus.
  • Wir hatten geschrieben, dass Bio-Baumwolle 0,5% der Baumwolle weltweit ausmacht. 2019/2020 (Quelle: Textile Exchange) waren es dann 0,95%.
  • Nebenbei gibt es noch mehrere sehr interessante Richtigstellungen, darunter die oft gehörte Behauptung, "die Textilindustrie sei für 20% der weltweiten Wasserverschmutzung verantwortlich". Aller Wahrscheinlichkeit nach stammt diese Zahl aus einem Bericht der World Bank und Chinas von 2007, der besagte, dass "die Industrie" für 20% der Verschmutzung in 7 chinesischen Flüssen verantwortlich war (wobei Textil eine von 6 genannten Branchen war). Kurz gesagt: völlig aus dem Zusammenhang gerissen.

Und ansonsten verwenden wir heute nur noch Bio-Baumwolle für unsere Kleidung.

Anmerkungen

1 Die Pestizide bleiben auf der äußeren Kapselhülle der Baumwolle. Und sobald die Baumwollkapsel geerntet ist, wird die Faser so stark gewaschen, dass sich in den fertigen Produkten keine Pestizidrückstände mehr finden. Laut Antoine Guian, Leiter des Textilprüflabors SMT.

2 Viele Insekten leisten unsichtbare, aber ebenso notwendige Dienste für die Landwirtschaft: Marienkäfer fressen Blattläuse, Regenwürmer lockern und nähren den Boden … Und Insekten werden von Vögeln gefressen, die wiederum von anderen Tieren gefressen werden, und so weiter.

3 Zum Beispiel hat der Scopaff (das Komitee, das die Anwendung der EU-Agrargesetze festlegen soll) unter dem Einfluss der Industrie-Lobbyarbeit 27-mal (!) abgelehnt, über ein neues Zulassungsverfahren für Pestizide zu entscheiden, das die chronische Toxizität für Bienen berücksichtigt (laut Stéphane Foucart in "Et le monde devint silencieux").

4 Fangpflanzen sind Kulturen, die Schädlinge anderswohin locken, zum Beispiel Luzerne für Wanzen oder Kichererbsen für bestimmte Raupenarten.

5 Zugegeben, die Kritiker der Bio-Baumwolle haben recht, wenn sie sagen, dass gentechnisch veränderte Baumwollpflanzen produktiver sind als nicht gentechnisch veränderte (wozu auch Bio-Baumwolle gehört) und deshalb im Verhältnis zur produzierten Menge weniger Bewässerungswasser brauchen. Aber man muss das "graue" Wasser berücksichtigen, also das durch Pestizide verschmutzte Wasser – dessen Menge laut der NGO Water Footprint im Bioanbau fünfmal geringer ist als in der konventionellen Landwirtschaft.

6 Das erinnert seltsam an die Strategie der Tabakindustrie in den 50er-Jahren. Als die ersten Studien erschienen, die den Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs belegten, haben die Zigarettenhersteller sie nicht angefochten. Sie haben lieber massenhaft andere Studien finanziert (über 6.000), um zu zeigen, dass Krebs auch andere Ursachen haben kann (Vererbung, Ernährung usw.), und uns glauben zu lassen, dass Rauchen angesichts all dieser anderen Ursachen gar nicht so schlimm sei.

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Wer sind wir, dass wir das behaupten?

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Illustration: Olivier Balez

Ganz zu schweigen von anderen Insektizidfamilien, die in Ländern mit weniger Schutzmaßnahmen wie Indien oder Benin Hunderte Baumwollarbeiter und -arbeiterinnen das Leben kosten.
Das Problem bei Pestiziden ist, dass sie manchmal die "guten" Insekten töten, die die Population der "schädlichen" Insekten regulieren.
Ein Kilo konventionelle Baumwolle kostet 6 bis 7 €, und ein Hemd wiegt etwa 250 g.
Langfaserige Baumwolle macht 2 bis 3% der Weltproduktion aus … Und da Bio 0,5% der Anbauflächen ausmacht, bedeutet das theoretisch, dass belastbare Bio-Baumwolle 2%*0,5% = 0,01% der Weltproduktion ausmacht.

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