Warum Frankreich sich nicht mehr selbst einkleiden kann
Warum Frankreich sich nicht mehr selbst einkleiden kann

Wie geht es der Bekleidungsindustrie in Frankreich?
Um dir ein Bild zu machen, kannst du einfach einen Blick in unseren Kleiderschrank werfen. Und zählen, wie oft auf dem Etikett "Made in France" steht.
1. Der (miserable) Zustand der Bekleidungsindustrie in Frankreich
Wenn du etwa hundert Kleidungsstücke besitzt, solltest du ungefähr … drei Etiketten zählen. Vielleicht ein, zwei Paar Socken, dazu noch ein Unterhemd oder einen Pullover. Und ja: Nur 3 % der in Frankreich verkauften Kleidung wird auch dort hergestellt1.
Mit anderen Worten: Die Bekleidungsindustrie in Frankreich, die uns im Alltag einkleidet, ist heute fast vollständig verschwunden2.
Trotzdem liest man das nicht wirklich so in der Presse. Manchmal ist von einer "Renaissance der Textilindustrie" die Rede, die angeblich mehr als 100.000 Arbeitsplätze zählt3 (eine Zahl, die sogar steigen soll4), bei Bekleidungsexporten, die auf über 14 Milliarden Euro gestiegen seien5… Leider sind diese Zahlen irreführend.
Schaut man genauer hin, umfassen diese 100.000 Arbeitsplätze die Beschäftigten aller Unternehmen, deren "Haupttätigkeiten" "Textilherstellung, Konfektion, Leder und Schuhe" sind. Aber wie viele dieser Unternehmen stellen tatsächlich die Kleidung her, die wir im Alltag tragen? Nun, nicht besonders viele. So schlüsseln sich die 109.000 Arbeitsplätze der Branche Bekleidung, Textil und Leder auf6 :

Wir haben also:
- 42.000 Arbeitsplätze in der Lederindustrie, die hauptsächlich für den beobachteten Beschäftigungsanstieg verantwortlich ist (+14.000 Arbeitsplätze seit 20067). Doch diese Unternehmen stellen so gut wie keine Kleidung her: Etwas zugespitzt gesagt, produzieren sie eher Luxushandtaschen, was für die alltägliche Bekleidung nicht besonders praktisch ist8.
- 36.000 Arbeitsplätze in der eigentlichen Textilindustrie, also der Stoffherstellung (Spinnerei, Weberei usw.). Diese Branche ist jedoch größtenteils (zu zwei Dritteln9) auf technische Textilien ausgerichtet (Autositzbezüge, Arbeitskleidung, Stoffe für Möbel oder den medizinischen Bereich), aber auch auf Möbelstoffe oder Haushaltswäsche. Dieses Ökosystem rund um technische Textilien ist glücklicherweise recht dynamisch in Frankreich, stellt aber so gut wie keine Kleidung her.
- 31.000 Arbeitsplätze in der Bekleidungskonfektion. Schaut man sich das genauer an, sind die größten in dieser Kategorie erfassten Unternehmen (hier oder da) tatsächlich Auftraggeber, die den Großteil ihrer Kleidung im Ausland fertigen lassen: Das sind keine Stellen für Schneiderinnen & Schneider, sondern im Wesentlichen für Verwaltungsangestellte und Einkäufer – mit einer lokalen Industrie hat das also nichts zu tun. Der Rest sind vor allem Konfektionsateliers, die für die Luxusindustrie fertigen (die bis zu 90 % ihrer Kunden ausmacht). Von diesen 31.000 Beschäftigten stellen also nur sehr wenige tatsächlich Kleidung her …
Tatsächlich sind von diesen 109.000 Arbeitsplätzen nur ein paar Tausend (wahrscheinlich nicht mehr als 10.00010) wirklich dafür da, Frankreich im Alltag einzukleiden.
Lässt man die Konfektionsateliers weg, die heute vor allem für den Luxus arbeiten, bleiben in Frankreich nur noch etwa fünfzig kleine Fabriken übrig, die wirklich Kleidung herstellen: ein paar Spinnereien, Webereien, Strickereien oder Färbereien in Nischensegmenten (wir haben dazu eine Liste erstellt, in diesem Dokument– zögere nicht, welche zu ergänzen, wenn du weitere kennst). Zum Vergleich: Bangladesch zählt über 8.000 Fabriken, die auf Bekleidung spezialisiert sind11, also fast 200-mal so viele …
Und genau diese Fabriken sieht man immer wieder in Fernsehreportagen, um zu zeigen, dass man in Frankreich noch Kleidung herstellen kann. Sie tragen oft zu Recht das Label "Entreprise du Patrimoine Vivant" (lebendiges Kulturerbe): Sie bewahren ein Know-how, das von Tag zu Tag verschwindet. Aber wie lange noch? Viele von ihnen stecken heute in großen Schwierigkeiten, wie Velcorex in den Vogesen, im Osten Frankreichs, oder Lemahieu im Norden Frankreichs12.
Und diese 14 Milliarden Euro an Bekleidungsexporten, die in den Medien manchmal erwähnt werden – woher kommen die eigentlich? Ein Teil geht auf den Luxussektor zurück, aber ansonsten handelt es sich vor allem um Re-Exporte: Große französische Marken (Kiabi, Décathlon usw.) lagern im Ausland hergestellte Kleidung in ihren französischen Lagern und verschicken sie dann in ihre Filialen im Ausland, um sie dort zu verkaufen. Wie das INSEE präzisiert13, stammen 75 % der französischen Textilexporte aus Importen.
Mit anderen Worten: Die französische Alltagsbekleidungsindustrie ist fast vollständig verschwunden … und viele der verbliebenen Fabriken stecken in großen Schwierigkeiten. Kurz gesagt, wir haben eine Industrie fast vollständig ausgelagert, die eigentlich ein ziemlich grundlegendes Bedürfnis der Bevölkerung deckt: sich zu kleiden.
Warum haben wir unsere Industrie verloren? Vor allem, weil ein Kleidungsstück … weich ist.
2. Warum Frankreich keine Bekleidungsindustrie mehr hat
Die Textilindustrie stellt weiche, biegsame Objekte her, und das ändert alles. Warum? Weil sich bei weichem Material die menschliche Hand bislang nicht durch einen Roboter ersetzen lässt.
Kurz zur Erinnerung: Um einen Stoff oder ein Kleidungsstück herzustellen, sind mehrere Arbeitsschritte nötig:

All diese Schritte laufen natürlich über Maschinen. Aber beim letzten Schritt, der Konfektion, wird die Maschine am … bescheidensten:

Ja, es ist die Nähmaschine, und sie braucht eine geschickte Näherin oder einen geschickten Näher, um zu laufen. Im Gegensatz zu starren Materialien wie Metall oder Kunststoff, die Roboter greifen und bewegen können, können nur Menschen Stoffe zusammenfügen und vernähen. Nicht, dass man es nicht versucht hätte, das zu automatisieren: Die Geschichte ist voll von gescheiterten Versuchen, Roboter zu bauen, die die Konfektion anstelle von Menschen übernehmen. Sogar der japanische Staat hat in den 80er-Jahren mehr als 100 Millionen Dollar investiert14. Selbst die DARPA (die amerikanische Forschungsagentur des Verteidigungsministeriums) hat in Robotik-Startups investiert, die T-Shirts nähen sollten15. Doch jedes Mal sind diese Versuche gescheitert.
Es gibt keine Alternative: Um ein Kleidungsstück herzustellen, braucht es menschliche Arbeit, besonders bei der Konfektion. Ein T-Shirt zu nähen dauert zum Beispiel 5 Minuten. Bei einer Jeans ist es fast unmöglich, unter 15 Minuten zu kommen16. Kleidung war damit der perfekte Kandidat für die Auslagerung: Sie ist leicht zu transportieren, nicht verderblich, und da sie viel Handarbeit braucht, gab es einen riesigen Wettbewerbsvorteil dabei, die Produktion in Länder mit sehr niedrigen Löhnen zu verlagern.
Ab den 60er- und 70er-Jahren, sobald Frachtschiffe den Warentransport günstig genug machten, war der Textilsektor also einer der Ersten, die ihre Produktion verlagerten. Ein Trend, den man in den meisten westlichen Ländern beobachten kann.

Der Todesstoß: 2005 (das ist noch gar nicht so lange her!) liefen die Multifaserabkommen aus – diese Regelung hatte Bekleidungsimporte gedeckelt, um die Industrien der westlichen Länder zu schützen. Die Importe aus Asien schossen daraufhin in die Höhe18, und angesichts dieser Konkurrenz zerbrach das, was von der französischen Textilindustrie noch übrig war.

Und die Folgen sind gravierender, als man denken könnte.
3. Die Folgen des Verschwindens der Bekleidungsindustrie
Bevor wir über die Folgen für Frankreich sprechen, sei an eine Selbstverständlichkeit erinnert: Das Problem der Verlagerungen betrifft zuallererst die Länder, in die wir verlagern.
Beschönigend spricht man von der Fertigung in "Billiglohnländern", aber man sollte sich genau ansehen, was das bedeutet: Die Unternehmen haben ihre Produktion in Länder verlagert, in denen die Löhne bei Weitem nicht für ein würdiges Leben reichen. In Bangladesch zum Beispiel erreicht der monatliche Mindestlohn trotz einer 60-Stunden-Woche nur 38 % des Existenzlohns19, also dem Einkommen, das nötig ist, um alle Grundbedürfnisse zu decken. Ganz konkret heißt das: Lässt man dort ein T-Shirt herstellen, können die Arbeiter und Arbeiterinnen trotz enormer Arbeitszeiten keine anständige Wohnung haben, sich nicht satt essen oder die Schule ihrer Kinder bezahlen. Es ist eine Arbeit, die nur zum Überleben reicht, nicht zum Leben. Die Arbeitsbedingungen sind dort so katastrophal, dass sich die Bevölkerung kürzlich sogar aufgelehnt hat – Proteste, die von der Regierung gewaltsam niedergeschlagen wurden20.
Ganz zu schweigen davon, dass wir mit der Produktion auch die Umweltverschmutzung ausgelagert haben – und sie sogar noch erhöht haben, denn die Umweltstandards sind in diesen Ländern oft niedriger und werden weniger durchgesetzt als bei uns. Mehrere Skandale haben das in den letzten Jahren in Erinnerung gerufen: Flüsse, die durch Färbereien verschmutzt wurden21, die Freisetzung hormonell wirksamer Chemikalien in die Umwelt22, zu hohe Bleiwerte in Kleidungsstücken23, um nur einige zu nennen.
Das ist vielleicht das Hauptproblem dieser Verlagerung: Sie schadet den Menschen und der Umwelt in den Ländern, die jetzt produzieren. Und weil das nicht bei uns passiert, fühlen wir uns beim Kleiderkauf nicht wirklich betroffen. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Das vorausgeschickt, sprechen wir jetzt – auch wenn es etwas selbstbezogen ist – über die Folgen für Frankreich.
A – Die sozialen Probleme: Arbeitslosigkeit, aber nicht nur
Anders als Dienstleistungsunternehmen, die sich in Großstädten konzentrieren, brauchen Fabriken Platz und niedrigere Mieten. Sie schaffen also eher Arbeitsplätze in ländlichen Gebieten, in kleinen und mittleren Städten. Bis in die 70er- und 80er-Jahre hinein waren die französischen Regionen so mit Fabriken übersät, die auf unterschiedliche Handwerkskünste spezialisiert waren : Spinnereien im Département Nord, Wirkwaren in der Aube, Weberei in den Vogesen …

Als die Fabriken schlossen, verschwanden die Arbeitsplätze und kamen nicht zurück: In den meisten ehemaligen Textilindustriegebieten (außer der Region um Lyon und Roanne) liegt die Arbeitslosenquote bis heute höher als im Rest Frankreichs24. Zumal mit den Fabriken auch die Bäckereien, Cafés, Postämter – kurz, ein guter Teil der lokalen Wirtschaft – dichtgemacht haben.

Aber es geht nicht nur um Arbeitslosigkeit: Es geht auch um die Prekarisierung der Arbeitsplätze. Die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken waren oft hart, aber sie boten relativ stabile Stellen (unbefristete Verträge eben) und manchmal Karriereperspektiven – von den Sozialleistungen bestimmter Formen des industriellen Paternalismus ganz zu schweigen26 (Bildung, Wohnraum, medizinische Versorgung …). Die Berufe, die es heute in diesen ehemaligen Industriegebieten gibt, haben sich stark verändert, mit oft kürzeren und prekäreren Verträgen27. Industriearbeitsplätze wurden durch Dienstleistungsjobs ersetzt, die weniger angesehen, schlechter bezahlt und oft mit prekären Arbeitsbedingungen verbunden sind. So lässt sich zum Beispiel im Norden und Osten Frankreichs eine starke Zunahme von Logistik- und Transportberufen beobachten 28 (etwas zugespitzt: Statt Dinge in Frankreich herzustellen, lagert und liefert man die, die aus dem Ausland kommen), mit niedrigen Löhnen, einem hohen Anteil an Zeitarbeit und Soloselbstständigkeit, Schichtarbeit für die Fahrer und Fahrerinnen … Und wie in vielen ländlichen Gebieten mit alternder Bevölkerung arbeiten auch hier immer mehr Menschen in der Pflege und in der Betreuung, unter sehr schwierigen Arbeitsbedingungen (zersplitterte Arbeitszeiten, sehr niedrige Löhne …)29.
Und über diese Prekarisierung hinaus gibt es auch den Verlust des sozialen Status. In den Fabriken konnte man echtes, wertgeschätztes technisches Know-how entwickeln30. Die Berufe gaben echten Stolz und einen Platz in der lokalen Gesellschaft, zumal die hergestellten Kleidungsstücke und Stoffe greifbare, für alle sichtbare Objekte waren. Und das alles in einem lokalen Leben, das reich und geprägt war von den Fabriken vor Ort: ein dichtes Netz an Kneipen und Cafés, Arbeitersportvereinen, von Gewerkschaften gegründeten Volksbildungsvereinen und so weiter. Benoît Coquard, ein Soziologe, der eine lange Studie durchgeführt hat31 – und zwar in der Region Grand Est, wo zahlreiche Textilfabriken geschlossen haben –, liefert dafür ein gutes Beispiel: "Die industrielle Tätigkeit [...] bot eine Möglichkeit, gemeinsame Zugehörigkeiten zu pflegen, auf die man "stolz" sein konnte. Man war aus diesem oder jenem Dorf, es gab Cafés und Kneipen, Vereine, eine Fabrik gleich um die Ecke." Die Berufe in Pflege, Betreuung oder Logistik sind trotz ihrer entscheidenden Rolle heute sozial weniger angesehen: Sie sind weniger sichtbar und verschaffen nicht mehr denselben Platz in der lokalen Gesellschaft. All diese Schwierigkeiten haben letztlich zu Spaltungen innerhalb dieser Gebiete geführt: Menschen ohne Arbeit oder mit einer Aneinanderreihung von Gelegenheitsjobs werden stark stigmatisiert. Benoît Coquard nennt das Beispiel der Dorf-Fußballmannschaft, die zu einem Auswärtsspiel fährt und als "das Kaff der Hartzer" bezeichnet wird.
Neben den sozialen Folgen gibt es auch die ökologische Seite. Weiter oben ging es um lokale Umweltverschmutzung wie Einleitungen in Flüsse oder die Freisetzung hormonell wirksamer Chemikalien – dabei würde man eine Form der Verschmutzung vergessen, die keine Grenzen kennt: Treibhausgase.
B – Die ökologischen Probleme: das CO2 nicht vergessen
Ein im Ausland hergestelltes Kleidungsstück verursacht oft deutlich mehr CO2 als eines aus Frankreich, denn die Energie, die die Maschinen in Billiglohnländern antreibt, verursacht in der Regel viel mehr Treibhausgase als in Frankreich und Europa. Ein in China hergestelltes Kleidungsstück zum Beispiel, wo der Strom hauptsächlich aus Kohlekraftwerken kommt, verursacht doppelt so viele Treibhausgase wie dasselbe Kleidungsstück aus Frankreich32.
Aber vor allem gibt es über die Verschmutzung pro Kleidungsstück hinaus das Problem der steigenden Zahl hergestellter Kleidungsstücke. "Dank" der Verlagerungen sind die Preise für Kleidung gesunken, und der Kleidungskonsum in Frankreich hat sich seit Anfang der 80er-Jahre mehr als verdoppelt33 und liegt heute bei 40 gekauften Kleidungsstücken pro Französin oder Franzose und Jahr34.

Doch produzieren heißt verschmutzen: Die Treibhausgasemissionen der Textilindustrie sind in etwa im gleichen Tempo gestiegen wie die Produktionsmengen. Dieser Anstieg der Zahl produzierter Kleidungsstücke ist der Hauptgrund dafür, dass es der Textilindustrie nicht gelingt, ihre Treibhausgasemissionen zu senken.
Okay, gut, die Deindustrialisierung der Textilbranche war aus sozialer und ökologischer Sicht katastrophal – aber sie hat doch wenigstens unserer Wirtschaft gutgetan, oder?
Man könnte sich damit zufriedengeben, eine nicht besonders strategische Industrie ausgelagert zu haben. Anders als etwa die Lebensmittel- oder die Pharmaindustrie ist die Textilindustrie nicht wirklich essenziell. Wenn wir uns nicht mehr ernähren können, sterben wir. Wenn wir uns nicht mehr medizinisch versorgen können, sterben wir auch. Im Ernstfall dagegen haben wir genug Kleidung in unseren Schränken, um jahrelang zu überleben – zumal wir sie immer noch reparieren könnten36. Sicher, der Maskenmangel während der Covid-19-Pandemie hat den Textilfabriken einen Anschein strategischer Bedeutung verliehen. Aber generell gilt, wie dieser Bericht des Haut-Commissariat au Plan (der französischen Planungsbehörde) in Erinnerung ruft: Modeprodukte sind nicht lebenswichtig.
Aber tatsächlich: Auch wenn Kleidung an sich nicht strategisch ist, wird das Handelsdefizit, das sie erzeugt, am Ende doch strategisch relevant.
C – Die Probleme für unsere Wirtschaft: das Defizit und die damit verbundenen Risiken
2023 wurde so viel Kleidung aus dem Ausland importiert, dass die Textil- und Bekleidungsbranche ein Handelsdefizit von über 10 Milliarden Euro für Frankreich erzeugt hat – fast 20 % des gesamten Defizits des Landes ohne Energie37.
Blickt man zurück, sieht das Bild noch düsterer aus, denn der Textilsektor schreibt schon sehr lange Defizite: Seit 1993 hat Frankreich allein wegen der Bekleidungsbranche ein Handelsdefizit von über 240 Milliarden Euro angehäuft38…
Und diese wiederkehrenden Handelsdefizite bleiben nicht ohne Folgen: Um sie zu finanzieren, muss sich Frankreich verschulden. Und mit der Zeit kommt da ganz schön viel Geld zusammen. 2023 lag unsere Nettoverschuldung gegenüber dem Rest der Welt bei 793 Milliarden Euro39 : Steigt sie weiter, könnte das Solvenzrisiken für Frankreich bergen und eine schwere Finanzkrise auslösen40 (wir nähern uns übrigens der Alarmschwelle von 35 % des BIP, die im Rahmen des europäischen Verfahrens bei makroökonomischen Ungleichgewichten definiert ist). Mit seinen seit 1993 angehäuften 240 Milliarden Euro Defizit trägt die Bekleidungsbranche eine historische Verantwortung für fast ein Drittel dieser Schulden. Kleidung ist also an sich kein "lebenswichtiges" oder "strategisches" Produkt, aber das Fehlen einer Bekleidungsindustrie in Frankreich erzeugt eine Verschuldung, die unsere Wirtschaft langfristig bedroht.
Okay, wir haben's verstanden: Das Verschwinden der Textilindustrie hat jede Menge soziale, ökologische und wirtschaftliche Verwerfungen verursacht … Aber heißt das im Umkehrschluss, dass die Lösung darin besteht, sie nach Frankreich zurückzuholen?
Schließlich muss die Handelsbilanz nicht Posten für Posten ausgeglichen sein. Man könnte stattdessen andere Wirtschaftssektoren "mit höherer Wertschöpfung" reindustrialisieren und den Textilsektor, der grundsätzlich arbeitsintensiver ist, den "Billiglohnländern" überlassen.
Man könnte sich sagen, dass wir im Grunde Rafale-Kampfjets exportieren und H&M-T-Shirts importieren. Ein Berater von Bruno Le Maire (dem damaligen französischen Wirtschaftsminister) sagte übrigens, "die industrielle Zukunft liege nicht im Fummel, sondern im Aufstieg ins Premiumsegment"41 42.
Müssen wir uns also damit abfinden, dass unsere Textilindustrie endgültig zum Untergang verurteilt ist?
4. Sollten wir die Herstellung unserer Kleidung nach Frankreich zurückholen?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zu den Grundlagen der Industrie zurückkehren: den Maschinen. Weiter oben war von Nähmaschinen die Rede, die viel Handarbeit erfordern. Aber das gilt nur für den letzten Schritt der Kleidungsherstellung. Für die vorgelagerten Schritte nutzt die Textilindustrie viel imposantere Maschinen. Zum Beispiel:



Und Jahr für Jahr werden diese Maschinen immer ausgefeilter. Das Ergebnis: In den vorgelagerten Schritten der Kleidungsherstellung machen die Arbeitskosten im Vergleich zu den Kosten für Rohstoffe, Maschinen und die Energie, die sie antreibt, gar nicht mehr so viel aus.
Heute sind die Kostenunterschiede zwischen westlichen Ländern und Billiglohnländern theoretisch gar nicht mehr so gewaltig. In einer Studie aus dem Jahr 201843hat der Verband der Textilmaschinenhersteller den theoretischen Kostenunterschied für einen Stoff zwischen verschiedenen Ländern berechnet – unter der Annahme, dass die Fabriken über die neuesten Maschinen verfügen. Unter diesen Bedingungen würde ein Meter Stoff aus China heute nur 24 % weniger kosten als aus Italien. Denn selbst in Italien, wo Arbeit teuer ist, würde sie nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten ausmachen:

In Zukunft wird sich dieser Abstand durch die stetige Verbesserung der Maschinen, steigende Energiekosten und steigende Arbeitskosten in manchen Schwellenländern nur noch weiter verringern.
Unter diesen Bedingungen unterscheidet sich die Textilindustrie heute gar nicht mehr so sehr von anderen Branchen wie der Chemie-, Automobil- oder Luftfahrtindustrie: Die Arbeitskosten machen einen Teil der Kosten aus, aber nicht den Hauptteil. Mit den besten Maschinen an jedem Schritt der Fertigung ließe sich die geringere "Preiswettbewerbsfähigkeit" westlicher Länder also durch eine bessere "Wettbewerbsfähigkeit jenseits des Preises" ausgleichen: zum Beispiel durch bessere Qualität, schnellere Reaktionsfähigkeit, größere geografische Nähe oder bessere Marktkenntnis. Genau das ist Italien übrigens gelungen, das immer noch über eine sehr solide Textilindustrie in der Herstellung von Bekleidungsstoffen verfügt.
Sicher, es gibt immer noch den letzten Schritt der Konfektion, der viel Handarbeit erfordert (erinnere dich, das ist der mit den Nähmaschinen) und weiterhin große Unterschiede bei der Preiswettbewerbsfähigkeit erzeugen kann. Zum Beispiel dauert das Nähen von Hemden oder Hosen so lange, dass es in Frankreich sehr schwer ist, auf akzeptable Kosten zu kommen44. Aber nicht jedes Kleidungsstück braucht so viel Konfektionszeit: Pullover, Socken oder sogar T-Shirts lassen sich zum Beispiel lokal herstellen, ohne dass die Kosten deswegen explodieren. Und vor allem ist es durchaus denkbar, Stoffe für den Konfektionsschritt ins Ausland zu schicken, wie es manche Marken zum Beispiel schon in Portugal tun (genau das machen wir bei Loom für unsere Chinos zum Beispiel). Aus ökologischer Sicht ergibt das Sinn: Die Maschinen der vorgelagerten Fertigungsschritte verbrauchen am meisten Energie. Stoffe in Frankreich oder Europa herzustellen, mit weniger kohlenstoffintensiver Energie, hilft dabei, die Treibhausgasemissionen der Textilindustrie zu senken.
Kurz gesagt: Mit Verlaub an diesen Berater von Bruno Le Maire, aber die Vorstellung, Textil sei eine Industrie von gestern, die verschwinden müsse, und man solle sich nur noch "hochstufen", um Raketen oder Halbleiter zu bauen, ist eher keine gute Idee. Uns wird seit Jahrzehnten erzählt, die französische Industrie müsse sich auf Hochtechnologie spezialisieren, um es zu schaffen: Man muss feststellen, dass das eine wenig erfolgreiche Strategie war. Es ist wohl illusorisch, sich auf Industrien "mit hoher Wertschöpfung" spezialisieren zu wollen, wenn einem die grundlegenden Kompetenzen und eine übergreifende industrielle Kultur fehlen. Und ist es nicht auch etwas naiv zu glauben, dass sich Schwellenländer damit zufriedengeben, nur Billigware herzustellen? China und Indien beweisen gerade, dass sie auch bei den höchsten Technologien erfolgreich sein können (zum Beispiel Luft- und Raumfahrt oder Elektrofahrzeuge in China, Raumfahrt oder Halbleiter in Indien).
Tatsächlich muss Frankreich auch bei Massenprodukten wieder eine Industrie aufbauen (nicht nur bei Luxusprodukten), indem es ausreichend in Automatisierung und Robotik investiert. Das kann in der Lebensmittelindustrie oder der Automobilbranche sein, aber auch in der Textilindustrie: Ob bei technischen Textilien oder bei den vorgelagerten Schritten der Kleidungsherstellung – das ist machbar. Genau das kann helfen, unser Handelsdefizit zu senken: Statt sich nur "hochzustufen" und Güter ins Ausland zu verkaufen (wie Flugzeuge oder Handtaschen), kann man auch das, was man selbst konsumiert, lokal herstellen.
Aber wie macht man das dann?
Um dem Textilsektor eine neue Chance zu geben, braucht es vor allem faire Spielregeln. Wir erklären dir, warum.
5. Wie geben wir der Textilindustrie eine neue Chance?
In den zahlreichen Artikeln und Berichten über die Reindustrialisierung Frankreichs liest man oft dasselbe: Man müsse "die Hürden des bürokratischen Wasserkopfs" beseitigen45, "die Produktionssteuern senken"46, "öffentliche Aufträge gezielt lenken"47...
Das stimmt alles zum Teil. Aber bei Textilien darf man den Elefanten im Raum nicht vergessen: Bekleidungsfabriken in China oder Bangladesch produzieren zu sehr niedrigen Preisen, weil dort erstens Hungerlöhne gezahlt werden, zweitens die Umweltstandards weniger streng sind oder gar fehlen, und drittens die Fabriken mit billiger, extrem kohlenstoffintensiver Energie laufen (zum Beispiel russisches Gas in China oder Bangladesch). All das verzerrt den weiter oben gezeigten Ländervergleich der Produktionskosten: Selbst wenn französische Fabriken mit den modernsten Maschinen laufen, sind die Unterschiede bei sozialen und ökologischen Standards so groß, dass der Kostenabstand zu hoch bleibt.
Kurz gesagt: Es gibt eine "Prämie fürs Falschmachen", einen Wettbewerbsvorteil dafür, es schlecht zu machen.

Wenn wir eines Tages wieder eine Textilindustrie in Frankreich sehen wollen, müssen wir also zuerst die Bedingungen für einen fairen Wettbewerb mit anderen Ländern wiederherstellen. Im Idealfall würden Billiglohnländer soziale und ökologische Standards einführen, die ebenso ambitioniert sind wie unsere (oder sogar besser!) – aber das dürfte sehr, sehr lange dauern … Bis dahin müssen Importe von Kleidung, die in sozial und ökologisch schlechter aufgestellten Ländern hergestellt wird, bestraft – oder sogar verboten – werden.
Das ist auch eine der Schlussfolgerungen des aktuellen Berichts zur Reindustrialisierung, den Bruno Le Maire beim Industrieexperten Olivier Lluansi in Auftrag gegeben hat: "Unsere Industrie [...] leidet unter einem erheblichen Wettbewerbsdefizit. Nicht aus eigenem Verschulden, sondern wegen eines unlauteren Wettbewerbs mit den anderen Kontinentalmächten, Nordamerika oder Asien. Diese Situation allein durch Kostensenkung zu lösen würde bedeuten, unser Sozialmodell oder unsere ökologischen Ambitionen – oder beides – aufzugeben. Das ist nicht hinnehmbar. Um zu einem fairen Wettbewerb zurückzufinden und dabei zu unseren Werten zu stehen, müssen wir gerechte Regeln im internationalen Handel wieder einführen."
Was würde das konkret, in Sachen Regulierung, bedeuten? Es ist noch alles offen, aber hier schon einmal ein paar Beispiele:
- Den Geltungsbereich des französischen Sorgfaltspflichtgesetzes (loi sur le devoir de vigilance) erweitern, das multinationale Konzerne finanziell bestraft, die Menschenrechte und Umwelt verletzen. Gestützt auf dieses Gesetz haben NGOs in Frankreich Klage gegen bestimmte Marken eingereicht, die Baumwolle verwendeten, die von Uigurinnen und Uiguren unter sklavereiähnlichen Bedingungen geerntet wurde. Sollte man den Geltungsbereich dieses Gesetzes nicht erweitern, um Marken ins Visier zu nehmen, die in Fabriken produzieren, deren gezahlte Löhne zu weit vom Existenzlohn entfernt sind?
- Strengere Zugangsnormen zum europäischen Markt als heute. Die REACH-Verordnung erlaubt es bereits, die Einfuhr von Kleidung zu verbieten, die bestimmte chemische Substanzen enthält. Aber könnte man diese Normen nicht erweitern und das Inverkehrbringen von Kleidung auf dem europäischen Markt verbieten, deren Herstellung am stärksten umweltschädlich (oder am stärksten "ausbeuterisch") ist? Das ist das Ziel von der künftigen europäischen ESPR-Verordnung zur Ökodesign-Anforderung für Produkte– vorausgesetzt, sie ist ambitioniert genug …
- Ein "Bonus-Malus-System", das auf dem Abstand zwischen Mindestlohn und Existenzlohn basiert – eine Art "sozialer Grenzausgleichsmechanismus". Beispiel: Produziert eine Marke in einer Fabrik, in der der Lohn nur 30 % des Existenzlohns entspricht, müsste die Marke einen Malus zahlen, um die restlichen 70 % auszugleichen. Dieser Malus würde an Marken ausgeschüttet, die in sozial besser aufgestellten Fabriken produzieren. Das würde der Erpressung durch Marken, mit der Löhne niedrig gehalten werden, ein Ende setzen.
- Ein ökologisches "Bonus-Malus-System", um die am wenigsten verantwortungsvoll hergestellte Kleidung finanziell zu bestrafen und die ökologischste Kleidung zu begünstigen, basierend auf der Umweltkennzeichnung von Kleidung (die die Auswirkungen von Kleidungsstücken in Bezug auf CO2-Emissionen, Toxizität, Wasserverschmutzung usw. bewertet). Aber weißt du was? Dieses Gesetz gibt es schon, und es wurde im vergangenen März sogar einstimmig in der Nationalversammlung verabschiedet! Das Problem: Um endgültig verabschiedet zu werden, musste der Text noch im Senat abgestimmt werden … und die Nationalversammlung wurde zwischenzeitlich aufgelöst. Das Gesetz droht daher in der Versenkung zu verschwinden, aber mit der Bewegung En Mode Climatkämpfen wir dafür, es wieder auf den Weg zu bringen.

Würden solche Regulierungen allein ausreichen, um eine Bekleidungsindustrie in Frankreich wiederauferstehen zu lassen? Nein. Sie sind eine absolut notwendige Voraussetzung, um unsere Bekleidungsindustrie wettbewerbsfähiger zu machen, aber sie werden leider nicht ausreichen.
Wenn ein Wald fast vollständig abgeholzt wird, wächst er nicht über Nacht nach. Um wiederaufzuerstehen, braucht die Bekleidungsindustrie auch gut ausgebildete Arbeiterinnen und Arbeiter, Unternehmerinnen und Unternehmer, die Fabriken gründen oder übernehmen, Beamtinnen und Beamte, die öffentliche Aufträge lenken, Marken, die mitspielen und Made in France kaufen, sowie von Gemeinden bereitgestellte Flächen für neue Fabriken und so weiter. Wir brauchen auch einen Wandel in der Konsumkultur: Denn selbst mit modernsten Maschinen und einer Angleichung der sozialen und ökologischen Standards wird die Herstellung eines Kleidungsstücks in Frankreich teurer bleiben als in Bangladesch. Es braucht also mehr Genügsamkeit, die Bereitschaft, weniger Kleidung zu kaufen und sie öfter reparieren zu lassen.
Das alles wird Jahre dauern, wahrscheinlich Jahrzehnte. Damit es gelingt, müssen möglichst viele Menschen dieselbe Vision teilen: Es ist höchst wünschenswert, aber auch durchaus möglich, die Kleidung, die wir tragen, wieder bei uns herzustellen. Frankreich kann wieder lernen, sich selbst einzukleiden – und es hat allen Grund dazu. Worauf warten wir noch?
Illustration: Matthieu Lemarchal @tamieuh
Und danke an alle, die den Artikel gegengelesen haben: Olivier Lluansi, Anaïs Voy-Gillis, Antoine Camous, Karine Renouil Tiberghien, Flore Berlingen, Pierre Condamine, Maxime Froissant.
Wer sind wir, dass wir das behaupten?
Du bist hier auf La Mode à l’Envers, dem Blog der Kleidungsmarke Loom. Die Textilindustrie hat sich gründlich verstrickt – und die Rechnung zahlt der Planet. Deshalb erklären wir dir hier alles, was wir über die Branche herausfinden. Denn langlebige Kleidung herzustellen ist gut – aber aufdecken, teilen und inspirieren bewirkt noch viel mehr.
Übrigens, stellen wir bei Loom eigentlich Kleidung in Frankreich her? Ja, einige! Zumindest bei den Teilen, bei denen wir trotz der französischen Arbeitskosten akzeptable Preise anbieten können, also:
– Teile, bei denen verhältnismäßig wenig Handarbeit nötig ist: Socken, Mützen, Schals, Gürtel, manche Pullover, manche Pflegeprodukte.
– Teile, bei denen andere Marken traditionell sehr hohe Margen ansetzen und wir deshalb trotz Made in France wettbewerbsfähig bleiben, indem wir unsere eigene Marge senken: Sonnenbrillen.
– Teile, deren Stoffe in Frankreich hergestellt und dann in Portugal konfektioniert werden: Chinos, Jacken, Cord-Überhemden, Badeshorts.
– Und schließlich gibt es Produkte, die teilweise aus französischem Leinen gefertigt werden, dem einzigen Textilrohstoff, den wir lokal produzieren (neben Wolle): Baumwoll-Leinen-Hemd, Hemd mit Stehkragen.
Unser Ziel ist natürlich, davon immer mehr anbieten zu können. Aber dafür brauchen wir die neuen Regulierungen, die weiter oben im Artikel erwähnt wurden!
Übrigens, wir machen nie Werbung: Wenn dir gefällt, was wir schreiben, und du mehr davon willst, kannst du unseren Newsletter hier abonnieren. Versprochen: Wir schreiben dir höchstens einmal im Monat.
Anmerkungen
1 : Quelle FIMIF. Schätzung bestätigt durch diese DEFI-IFM-Studie aus dem Jahr 2024.
2 : Während in den 60er-Jahren noch fast unsere gesamte Kleidung in Frankreich hergestellt wurde (die Zollstatistiken zeigen damals nur sehr geringe Bekleidungsimporte).
3 : Ouest France 2020
4 : Les Echos 2024
5 : Fashion Network 2024
6 : Zahlen der URSSAF (französische Sozialversicherungsbehörde) für die Textil-Branchencodes (Quelle). Manchmal liest man auch die Zahl von 60.000 Arbeitsplätzen für die Textil-Bekleidungsindustrie in Frankreich (ohne Leder). Das entspricht nicht ganz dem, was sich hier aus den URSSAF-Zahlen ergibt (36.000 + 31.000 = 67.000 Arbeitsplätze). Diese Zahl stammt aus einer Berechnung von der OPCO, deren Erfassungsbereich nicht ganz derselbe ist: Sie verknüpft alle Branchencodes mit den Kennungen aus den Tarifverträgen der Textilbranche. Sie ist also präziser, liefert aber nicht die Aufschlüsselung nach Textil und Konfektion, die wir hier für unsere Argumentation brauchten.
7 : Quelle URSSAF
8 : 64 % der in Frankreich hergestellten Lederwaren sind Handtaschen (Quelle INSEE).
9 : Le Monde 2019
10 : Weiter unten ist von den 50 Fabriken die Rede, die an Alltagskleidung arbeiten. Geht man von 200 Beschäftigten pro Fabrik aus – was schon sehr optimistisch ist –, ergibt das 10.000 Beschäftigte.
11 : 8.000 Fabriken laut diesem Bericht.
12 : Quellen Fashion Network und La Voix du Nord.
13 : INSEE-Bericht Made in France.
14 : Quelle: Textile et vêtement: Faire face aux mutations, OECD-Bericht 2005.
15 : Why Robots Can’t Sew Your T-Shirt, Harris Quinn für Wired
16 : What is SMV in garments industry, Textile Scholars.
17 : Textile et vêtement: Faire face aux mutations, OECD-Bericht 2005.
18 : UE : hausse de 15 % des importations d’habillement de Chine en janvier-février, Fashion Network (23.05.2006)
19 : Quelle: The industry we want
20 : Quelle France 24
21 : Asian rivers are turning black. And our colorful closets are to blame, CNN 2020.
22 : Les Dessous Toxiques de la Mode, Greenpeace 2012.
23 : Reportage von Martin Weill "Victimes de la Mode", TMC 2022: gemessener Bleigehalt 4-mal über den REACH-Grenzwerten in einem nach Frankreich importierten Shein-Kleidungsstück.
24 : Arbeitslosenquote 3. Quartal 2021 laut INSEE : 10,0 % im Département Nord, 10,2 % in der Aube, 8,5 % in den Vogesen vs. 7,9 % im französischen Mutterland.
25 : Quelle INSEE 2020: 29,7 % Arbeitslosigkeit bei den 15- bis 64-Jährigen in Roubaix. Und mit der Schließung von Camaïeu, das seinen Sitz in Roubaix hatte, scheint das Schicksal der Stadt besonders übel mitzuspielen – mehr denn je Opfer der Low-Cost-Textilindustrie.
26 : Zum Beispiel bei Boussac Textile : Gründung von Schulen, Eröffnung von Kindertagesstätten in Fabriknähe, Bau von Wohnungen sowie Haushalts- und Lehrlingsschulen.
27 : "2017 lag der Anteil der Beschäftigten mit unbefristetem Vertrag in der Industrie bei 44 % gegenüber 28 % im Dienstleistungssektor. Der Industriesektor bietet der Mittelschicht damit Arbeitsplätze, die sowohl besser bezahlt als auch stabiler sind" Quelle: Désindustrialisation (accélérée): le rôle des politiques macroéconomiques, François Geerolf und Thomas Grjebine.
28 : Revue DARES 2020 Travail et Emploi : "Angesichts der geforderten Arbeitskraft-Voraussetzungen werden Gebiete [...] mit industriellem Niedergang vorrangig ins Visier genommen, wobei die Logistik zu einer bevorzugten Entwicklungsachse für die Wiederbelebung sogenannter notleidender Gebiete wird. Im Norden Frankreichs, im grenznahen Osten, im Großraum Paris oder im Rhônebecken haben sich so Arbeitsmarktgebiete mit starker Logistik-Komponente gebildet.
29 : « Faire du domicile » à la campagne : identités professionnelles des aides à domicile pour personnes âgées dans les mondes ruraux, 2023.
30 : Professionnels du textile: se construire une conscience fière, Françoise Faye, 2005.
31 : Benoît Coquard, Ceux qui restent. Faire sa vie dans les campagnes en déclin (La Découverte, 2019).
32 : Assessment of Carbon Footprint for the Textile Sector in France, Cycleco, Februar 2021: 20,90 Kilo CO2-Äq. pro Kilo vollständig in Frankreich hergestelltem Textil vs. 43,43 kg in China.
33 : 1984 lag der Kleidungskonsum in Frankreich bei 1,3 Milliarden Stück, also 23 Kleidungsstücke pro Kopf und Jahr. Quelle: INSEE-Erhebung 1984 bei 7.500 Haushalten. Heute liegt er laut dem Öko-Organismus Refashion bei 2,7 Milliarden Kleidungsstücken.
34 : Quelle: Tätigkeitsbericht Refashion 2022. 3,3 Milliarden × 83 % Kleidung / 67,8 Millionen Einwohner × 99 % = 40 Kleidungsstücke pro Kopf. Rechnet man Schuhe und Haushaltswäsche mit ein, kommt man auf fast 50 Textilstücke pro Kopf.
35 : Quelle Fred Economic Data.
36 : Übrigens wurde die Reparatur von Kleidung von Regierungen in Kriegsländern stark gefördert, siehe die Kampagne Make Do and Mend im Vereinigten Königreich während des Zweiten Weltkriegs
37 : Kumuliertes Defizit Textil + Bekleidung seit 1993 laut den französischen Zollbehörden (ohne Leder) (Quelle).
38 : Quellen französische Zollbehörden, Berechnungen auf diesem Dokument.
39 : Unsere Handelsdefizite vertiefen auch unsere Leistungsbilanzdefizite (die unter anderem den Dienstleistungshandel einbeziehen). Und mit der Zeit entsteht daraus eine Auslandsverschuldung, die man fachlich als "Nettoauslandsvermögensstatus" Frankreichs bezeichnet. Dass dieser negativ ist, bedeutet, dass Ausländer mehr Vermögenswerte in Frankreich halten, als französische Einwohner im Ausland besitzen. Mehr Informationen auf der Website der Banque de France.
40 : "Die Auslandsposition erlaubt es, das Risiko einer Finanzkrise für ein Land einzuschätzen – kurzfristig (plötzliche Liquiditätsverknappung) oder langfristig (Insolvenzrisiko) –, gemäß den Analysemethoden, auf die internationale Organisationen üblicherweise zurückgreifen". Quelle: La position extérieure: éléments de mesure et utilité pour la politique monétaire et la stabilité financière, Banque de France, 2003.
41 : Marine Le Pen et Eric Zemmour esquissent leurs propositions économiques au salon du Made in France, Ivanne Trippenbach für Le Monde (15.11.2021).
42 : Diese Überzeugung, dass die Höherstufung der richtige Weg sei, deckt sich mit dem Gallois-Bericht von 2012 "Pacte pour la compétitivité de l'industrie française", dessen zweiter Teil "Une ambition industrielle, la montée en gamme" heißt.
43 : Quelle IPCC 2018
44 : Zur Einordnung: Ein Hemd braucht etwa 30 Minuten Nähzeit. Da die Arbeitskosten pro Stunde in Frankreich bei fast 40 Euro liegen, macht das 20 € Produktionskosten allein für die französische Näharbeit. Mit dem klassischen Multiplikator einer Marke (× 5) wären das also 100 € nur für diesen Schritt.45 : Réindustrialisation: pourquoi la France a tout pour réussir? Augustin de Romanet für Le Cercle des Economistes (27.11.2023)
46 : Bruno Le Maire: «Baisser les impôts de production est une des conditions pour réindustrialiser la France», L'Opinion (07.10.2022)
47 : La réindustrialisation de la France d'ici 2035 s'annonce comme une guérilla plus qu'une «Blitskrieg», Solène Davesne für L'Usine Nouvelle (08.06.2024)
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