Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Französisch geschrieben, unserer Muttersprache. Falls dir eine Formulierung holprig vorkommt, entschuldige bitte – und schreib uns gern an hello@loom.fr, damit wir die Übersetzung verbessern können.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im April 2018 auf Medium, Usbek & Rica und im Nouvel Obs

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„There is no planet B", die Kollektion "Conscious", Kleidersammlung: Wie wurde H&M zum Champion des Greenwashings?

Mode ist unberechenbar. Innerhalb weniger Jahre sind T-Shirts zu neuen Ausdrucksflächen geworden. Man kennt eher Sprüche wie "der Morgen ist zu früh" oder "Zicke" (sic). Aber kürzlich tauchte auf der Website einer bekannten Kleidungsmarke ein neues, etwas kämpferisches Exemplar auf:

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Und das ist bei H&M kein Zufall. Das Unternehmen sieht sich selbst als Vorreiter der Nachhaltigkeit unter den sogenannten „Fast Fashion"-Marken (= jenen, die ein ultraschnelles System zur Erneuerung ihrer Kollektionen eingeführt haben). Es reiht eine Initiative an die nächste, die oft groß in den Medien gefeiert werden: H&M Conscious, Close The Loop oder Climate positive 2040, zum Beispiel. Und auf den ersten Blick scheint es dabei die Klassenbeste zu sein – mit seinen 220 Mitarbeitenden , die sich der Nachhaltigkeit widmen.

Wird Fast Fashion wirklich nachhaltiger, oder steckt sie einfach mitten im Greenwashing ? (Spoiler: Antwort 2)

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Ein schönes Beispiel für Greenwashing: BP färbte sein Logo grün, einige Jahre bevor die Ölplattform Deepwater Horizon explodierte.

Chemische Verschmutzung: die medienwirksamste

In China gibt es einen Witz, wonach man die nächste angesagte Modefarbe einfach an der Farbe der Flüsse ablesen kann (wir haben es nicht nachgeprüft). Was die Anstrengungen in diesem Bereich angeht, muss sich H&M nicht schämen: Es ist die Marke, die Greenpeace in seinem Detox Catwalk am besten bewertet hat, zusammen mit Zara und Benetton. Im Wesentlichen verpflichten sie sich bis 2020:

  • toxische Abfälle, die ins Abwasser gelangen, zu beseitigen;
  • den Ausstoß von krebserregenden Stoffen oder hormonellen Schadstoffen zu begrenzen. Diese Stoffe werden unter anderem zur Herstellung wasserdichter Kleidung und von Drucken verwendet oder stecken in den Waschmitteln der Fabriken.

Und die Aufgabe ist riesig. Keine Fast-Fashion-Marke besitzt ihre eigenen Fabriken: Sie haben Zulieferer, die wiederum Zulieferer beauftragen, die wiederum Zulieferer beauftragen, und so weiter.

Aber diese chemische Verschmutzung ist, so dramatisch sie auch ist, nur die Spitze des Eisbergs1. Fast Fashion stellt noch ein weiteres2 gewaltiges Umweltproblem dar.

Fast Fashion verstärkt die Klimaerwärmung

Baumwollanbau, Herstellung synthetischer Fasern, Spinnen, Weben, Färben, Konfektionierung … Ein Kleidungsstück herzustellen verbraucht Energie und erzeugt folglich Treibhausgase3. Um dir eine Vorstellung zu geben: Zum Färben von Stoffen werden Autoklaven verwendet – riesige Druckmaschinen mit einem Färbebad von über 100 °C. Wahre Energiefresser. Und da die meisten Fabriken in Asien stehen, wird der Strom durch das Verbrennen von Kohle oder Erdgas erzeugt, was jede Menge CO2 freisetzt.

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Ein prächtiges Beispiel für einen Autoklaven. Bewundere das Biest.

Fazit: Laut Berichten stößt die Modeindustrie zwischen 2 und 8 % der weltweiten Treibhausgase aus – fast so viel wie dergesamte Straßenverkehr der Welt4. Kurz gesagt: Du kannst noch so oft mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren – wenn du jeden Tag ein neues T-Shirt anziehst, lässt du trotzdem das Packeis schmelzen.

Was unternimmt Fast Fashion?

Auf den ersten Blick scheint H&M (wieder einmal) zu den Klassenbesten zu gehören. Mit seiner Initiative Climate Positive 2040 behauptet es, seine Treibhausgasemissionen nicht nur zu senken, sondern bis 2040 sogar einen positiven Beitrag zu leisten! Klingt toll. Aber wenn man sich genauer ansieht, wie es das erreichen will, gibt es da ein kleines Problem. Die meisten Treibhausgasemissionen hängen, wie wir gesehen haben, mit der Fertigung zusammen … ein Bereich, auf den es keinen Einfluss hat, da keine der Fabriken, die seine Kleidung herstellen, ihm gehört. Um sein Ziel zu erreichen, will es sich also auf sogenannte „Kohlenstoffsenken" stützen, insbesondere künstliche. Die Idee? Mit riesigen Maschinen CO2 aus der Atmosphäre saugen, um es tief unter der Erde zu verstecken.

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Die magischen CO2-Staubsauger, um die es geht.

Kleines Problem: Es konnte nie bewiesen werden, dass das funktioniert … Übrigens wurden die meisten Projekte zum Aufbau von Kohlenstoffsenken schlichtweg wieder aufgegeben , wegen astronomischer Kosten oder technischer Probleme. Das ist wohl auch der Grund, warum H&M auf seiner Seite weltweit „fachkundige und innovative" Menschen um Hilfe bittet. Ist jemand verfügbar?

Ein weiterer Vorschlag: Kleidung aus recycelten Fasern herstellen. Wir mögen den Clip Close The Loop von H&M sehr (und auch diesen hier, mit M.I.A.), aber was den CO2-Fußabdruck angeht, ist das Recycling von Textilfasern nur eine sehr, sehr partielle Lösung5. Ein Kleidungsstück aus recycelten Fasern herzustellen setzt einen industriellen Prozess voraus, der ebenfalls viel CO2 erzeugt, allein schon um die Fasern zurückzugewinnen … Außerdem ist die Technologie in den allermeisten Fällen noch längst nicht ausgereift: Zum Beispiel lassen sich Baumwoll- und Polyesterfasern noch nicht zu vertretbaren Kosten trennen. Ergebnis: Selbst mit der ultra-optimistischen Annahme von 40 % recycelter Fasern würde man die CO2-Emissionen der Modeindustrie um weniger als 10 % senken. Das Recycling von Kleidung hilft zwar, den Einsatz von Rohstoffen zu minimieren (Wasser und Pestizide bei Baumwolle, Erdöl bei Polyester), aber beim CO2-Fußabdruck rettet das wirklich noch keine Eisbären.

Kurz gesagt, um die Metapher von Philippe Bihouix :

"Man schlägt uns vor, das Gaspedal des Autos voll durchzudrücken, in der Hoffnung, dass wir die Flügel erfinden, bevor wir den Rand der Klippe erreichen."

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Kurz gesagt: Ungefähr so sieht die Richtung aus, in die es geht.

Um das Umweltproblem von Fast Fashion zu lösen, macht man sich lieber etwas vor und setzt auf Technologien, die erst noch erfunden werden müssen, statt sich dem eigentlichen unbequemen Thema zu stellen:

Wegwerfmode

Jedes Jahr produziert die Bekleidungsindustrie 150 Milliarden Kleidungsstücke, von denen die meisten in Schränken verstauben oder nach ein paar Monaten weggeworfen werden. Und es wird immer mehr:

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Anzahl der H&M-Filialen weltweit seit 1974 (Quelle: Jahresbericht).

Die weltweite Bekleidungsproduktion hat sich verdoppelt zwischen 2000 und 2014. Diese exponentielle Kurve ist nicht vereinbar mit einem Planeten, der per Definition endliche Ressourcen hat. Nein, es gibt keinen Planeten B.

Die negativen Umweltfolgen von Fast Fashion stecken im Kern ihres Geschäftsmodells. Jede „ökologische" Initiative in diesem Zusammenhang käme dem Versuch gleich, eine löchrige Badewanne zu füllen.

Greenwashing ist gefährlich, denn es hält uns davon ab, unser Konsumverhalten zu ändern, denn es lässt uns glauben, das Problem sei gelöst, denn es wiegt uns in Sicherheit, während das Haus brennt.

Natürlich werden wir vielleicht eines Tages geniale Technologien zur CO2-Absaugung oder zum Faserrecycling erfinden, um die Umweltprobleme zu lösen. Aber das ist eine riesige Wette. Und vor allem ein riesiges Risiko. Und bis dahin gibt es eine Gleichung, die sich nicht ändern wird:

Produzieren heißt verschmutzen

Was tun wir also?

Man kann sich seine Kleidung selbst nähen. Oder Secondhand kaufen. Das ist cool. Aber man sollte sich keine Illusionen machen: Damit wird man niemals alle einkleiden können. Viel Glück beim Finden eines weißen T-Shirts in Größe M bei den französischen Secondhandketten Ding Fring oder Guerrisol …

Es gibt nur eine einzige Lösung, einfach und naheliegend. Gesunder Menschenverstand:

Weniger kaufen.

Indem du gut verarbeitete, hochwertige Kleidung wählst, die möglichst lange hält.

Natürlich ist Baumwolle kein Kevlar: Ein T-Shirt wirst du nie dein ganzes Leben lang behalten können. Aber wenn du ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit zeigst, trägst du es mehrere Jahre. Und das ist einfacher, als du denkst:

  • Kaufe bei Marken, die gut produzieren und in Europa: Saint James, 1083, Atelier Tuffery…
  • Lass dir Zeit : Wenn das Kleidungsstück einen Hauch zu klein ist, du es aber in der Hoffnung kaufst, abzunehmen, wenn dir die Farbe nicht so gut gefällt, du es aber kaufst, weil es im Sale ist … lass es lieber sein. Und lass dich generell nicht von Rabattaktionen blenden: Das ist sehr oft eine künstliche Methode , dich dazu zu bringen, etwas zu kaufen, das du nicht brauchst.
  • Schau dir das Etikett an. Wenn der Stoff OEKO-TEX-zertifiziert ist, bedeutet das, dass keine giftigen Stoffe enthalten sind. Wenn das Kleidungsstück in Europa hergestellt wurde, stellt das sicher, dass die Arbeiterinnen unter einem schützenden Rechtsrahmen arbeiten (im Gegensatz zu Bangladesch) und dass der CO2-Fußabdruck geringer ist.
  • Pflege es gut. Die Lebensdauer eines Kleidungsstücks hängt davon ab, wie du es pflegst. Folge also unseren Pflegetipps (ja, du solltest aufhören, deine Wollpullover zu waschen).
  • Die Änderungsschneiderei ist dein Freund: eine kleine Reparatur kostet selten mehr als 10 Euro. Lass jemanden in deiner Nähe daran arbeiten, und du sparst dir den Neukauf eines Kleidungsstücks, das 5-mal so viel kostet.

Die Modeindustrie ist nicht wirklich in die richtige Richtung gestartet. Und es liegt an jeder und jedem von uns, zu entscheiden, wohin sie jetzt gehen soll.

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Anmerkungen

1 Nein, die Textilindustrie steht nicht auf Platz 2 der schmutzigsten Branchen der Welt, hinter der Erdölindustrie. Diese Statistik, die von fast allen Medien und Akteuren der Branche massenhaft übernommen wurde — sogar im Rahmen der Unterzeichnung der Charta für Mode und Klimaschutz für die COP 21 — gibt weder an, welche Art von Verschmutzung sie umfasst, noch stützt sie sich auf irgendeine Quelle.

2 Ganz zu schweigen von den Arbeitsbedingungen der Textilarbeiterinnen, die oft erbärmlich sind, noch von den Folgen für die Seele unserer Innenstädte.

3 Entgegen der landläufigen Meinung ist es im Lebenszyklus eines Kleidungsstücks nicht der Transport, der viele Treibhausgase erzeugt (nur etwas mehr als1 % der Emissionen). Auch wenn der Großteil unserer Kleidung am anderen Ende der Welt hergestellt wird. Klar, ein Kleidungsstück ist weder besonders groß noch besonders schwer, es nimmt also nicht viel Platz in einem Container ein. Und da 90 % der Kleidung per Frachtschiff transportiert werden – einem Transportmittel, das relativ wenig CO2 pro gefahrenem kg/km ausstößt –, entsteht dabei relativ wenig CO2. Dafür aber jede Menge Feinstaub, doch das ist eine andere Geschichte.

4 Laut dem IPCC (Weltklimarat) macht der Straßenverkehr 10 % der weltweiten Treibhausgasemissionen aus: 2010 machte der Verkehr 14 % der Treibhausgasemissionen aus, und der Straßenverkehr macht 72 % der Treibhausgasemissionen des Verkehrs aus. Damit läge Mode nach diesem Kriterium auf Platz 4 der schmutzigsten Branchen der Welt, hinter der Landwirtschaft, der Stromerzeugung und der Gebäudeheizung und damit dem Verkehr (Aufteilung der Branchen hier).

5 Dieses „Close Loop Recycling" ist vom „Open Loop Recycling" zu unterscheiden. Bei Letzterem wird Kunststoff aus anderen Produkten wie Flaschen recycelt.

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Wer sind wir, dass wir das behaupten? 

Du bist hier auf La Mode à l’Envers, dem Blog der Kleidungsmarke Loom. Die Textilindustrie hat sich gründlich verstrickt – und die Rechnung zahlt der Planet. Deshalb erklären wir dir hier alles, was wir über die Branche herausfinden. Denn langlebige Kleidung herzustellen ist gut – aber aufdecken, teilen und inspirieren bewirkt noch viel mehr.

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